Bad Hersfelder Festspiele 2011: Katharina Schrade spielt nicht nur die Maria

Keine Sklavin des Berufs

Katharina Schrade hat auch als junger Mensch schon sehr reife Ansichten über ihren Beruf. Foto: Schönholtz

Berlin/Bad Hersfeld. Gerade hat sie noch am Gendarmenmarkt geprobt, gleich muss sie in die Staatsoper im Schiller-Theater, und abends geht’s nach Hermsdorf. Den Pressetermin für die Bad Hersfelder Festspiele hat Katharina Schrade noch irgendwie dazwischen gezwickt. Da in Berlin fast jeder Ortswechsel mit einer halben Stunde Fahrtzeit in der S- oder U-Bahn verbunden ist, hat die Maria aus der Hersfelder „West Side Story“ ein bisschen Stress.

Sie lächelt trotzdem. Denn die gebürtige Leipzigerin, die noch bis zum nächsten Jahr an der Universität der Künste studiert, hat zum Credo erhoben, sich nicht zur Sklavin ihres Berufs machen zu lassen. „Die Arbeit ist kein Heilsbringer für das ganze Leben,“ sagt sie und pflegt deshalb ganz bewusst Freundschaften und Beziehungen, die mit ihrem Beruf nichts zu tun haben.

Leben, nicht nur üben

„Davon profitiert dann auch die Bühne,“ ist die 27-Jährige von ihrer Einstellung überzeugt und schaut mit Sorge auf Kollegen, „die nur üben, üben, üben, aber nicht leben.“

Deswegen war Katharina Schrade auch nicht enttäuscht, als ihr beim Casting für die Rolle der Betty Schaefer in „Sunset Boulevard“ Wietske van Tongeren vorgezogen wurde. „Man darf sich nie entmutigen lassen“, schaut sie lieber nach vorne als zurück. Umso mehr freute sie sich dann, als sie wenig später das Angebot bekam, bei zwei Vorstellungen für die Niederländerin als sogenanntes Cover einzuspringen.

Denn in „Sunset Boulevard“ sieht Katharina Schrade einen hochinteressanten Stoff, der die Kehrseite ihres Berufes thematisiert. „Das ist eben nicht nur eine Glitzer-Show,“ sagt sie und ist ganz gespannt darauf, wie Helen Schneider die „Wahnsinnrolle“ der gealterten Schauspielerin Norma Desmond interpretieren wird.

Schrade selbst wird sich dann ziemlich kurzfristig mit ihrem Aushilfs-Part vertraut machen müssen. „Ich hoffe, dass jemand mit mir probt, und vielleicht gibt es ja auch einen DVD-Mitschnitt der Inszenierung,“, macht sie sich schon jetzt ihre Gedanken.

In erster Linie wird die Leipzigerin aus Berlin bei den Festspielen jedoch wieder die Maria aus der „West Side Story“ sein. Für ihr Stiftsruinen-Debüt im vergangenen Jahr erntete sie insbesondere von den Kollegen viel Lob, doch auch ihr Hersfelder Vermieter ist mit ihr sehr zufrieden gewesen, schmunzelt Schrade. Sie wird wohl wieder bei ihm wohnen.

Schöne Hersfeld-Phase

Mit Bad Hersfeld verbindet die Künstlerin nur angenehme Erinnerungen. „Man hat immer Phasen,“ sagt sie, „und die Hersfeld-Phase war sehr schön.“ Katharina Schrade kennt nämlich auch jene Momente, in denen man über einen Job nachdenkt, in dem die Arbeitszeit geregelt ist und in dem es Monat für Monat das gleiche Geld gibt. „Das ist ganz normal. Doch ich bin mir immer sicherer, dass Gesang und Schauspiel absolut das ist, was ich machen will,“ ist sie von ihrem Weg überzeugt und schiebt gleich die Begründung nach: „Man kann hier viel einbringen und bekommt viel zurück.“

Info: „Sunset Boulevard“ hat am 21. Juni Premiere. Die „West Side Story“ wird ab 2. August wieder aufgenommen. Ticket-Service, Am Markt 1, 36251 Bad Hersfeld, Telefon 06621/201360, www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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