Montagsinterview mit Lena Arnoldt (CDU) über ihre ersten 100 Tage im Landtag

„Keine Tür ist zu schwer“

Sie hat keine Angst vor Herausforderungen: Die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt beim Interview mit Kai A. Struthoff in unserer Redaktion in Bad Hersfeld. Foto: Marcus Janz

Hersfeld-Rotenburg. Seit rund 100 Tage sitzt Lena Arnoldt (CDU) als jüngste Abgeordnete für unsere Region im Landtag. Kai A. Struthoff sprach mit ihr über die ersten Monate im „Zentrum der Macht“.

Frau Arnoldt, mit 31 Jahren sind Sie die jüngste Abgeordnete im Landtag. Wie kommen Sie mit den altgedienten Kollegen klar?

Lena Arnoldt: Erstaunlich gut. Sie teilen ihre Erfahrung mit mir und sind immer offen für Fragen. Auch vor meiner ersten Rede habe ich viele hilfreiche Tipps bekommen. Ich musste zehn Minuten zum Beitritt Hessens zur Koalition gegen Diskriminierung sprechen, ein schwieriges sozialpolitisches Thema, und da war ich schon ein wenig aufgeregt.

Wie ist es, wenn man plötzlich mittendrin ist in der Arbeit des Landtags?

Arnoldt: Ich musste zunächst mal lernen, wie alles funktioniert. Deshalb war es gut, dass ich gleich zu Beginn in den Landtag nachgerückt bin, weil ich so alle Entscheidungs- und Organisationsprozesse miterlebt habe. Aber ich fühle mich von Anfang an akzeptiert und ernstgenommen.

In welchen Gremien arbeiten Sie mit?

Arnoldt: Wegen meines Alters und der Arbeit in der Jungen Union lag es nahe, dass ich jugendpolitische Sprecherin werde. Im Haushaltsarbeitskreis bin ich zudem zuständig für den Bereich Steuern, weil ich das ja auch schon beruflich gemacht habe. Außerdem bin ich im sozial- und integrationspolitischen Arbeitskreis für die Freiwilligendienste und die Gleichstellung von Minderheiten zuständig. Bei der Besetzung bin ich gleichberechtigt mitgenommen worden. Es wurde geguckt: Was kann sie, was will sie – und ich finde, das haben wir gut hinbekommen.

Und wie ist es privat? Wie begegnen Ihnen alte Freunde, wo Sie doch jetzt eine einflussreiche Landtagsabgeordnete sind?

Arnoldt: Alle freuen sich für mich. Manchmal muss ich jetzt berichten und erklären, etwa wie das mit G8 oder G9 abläuft. Aber sonst ist im Freundeskreis und in der Familie alles gleich geblieben. Falls ich doch mal abheben sollte, habe ich viele Freunde, die mich ganz schnell wieder runterholen würden.

Sie hatten schon im Wahlkampf einen guten Draht zur grünen Kandidatin Kaya Kinkel. Pflegen Sie den Kontakt weiter?

Arnoldt: Ja, durchaus. Ich würde mich auch freuen, wenn Kaya doch noch nachrücken würde. Zusammen könnten wir eine tolle Politik für diesen Wahlkreis machen.

Der Ton der SPD wird naturgemäß schärfer. Wie kommen Sie mit Dieter Franz, Torsten Warnecke und Lothar Quanz klar?

Arnoldt: Wir verstehen uns gut, aber absprechen tun wir uns nicht. Es gibt da aber auch nicht so viele Anknüpfungspunkte. Man muss das aber auch sauber trennen – den politischen Diskurs und den privaten Umgang. Denn natürlich trinken wir abends nach gemeinsamen Veranstaltungen auch mal ein Bier zusammen.

Man trifft Sie häufig auch im Hersfelder Kreisteil, obwohl das ja eigentlich nicht Ihr Wahlkreis ist. Was mache Sie hier?

Arnoldt: Ich betreue den Hersfelder Wahlkreis, der keinen eigenen CDU-Abgeordneten hat, ganz offiziell mit. Früher hat das Kurt Wiegel aus dem Vogelsberg gemacht, aber ich bin jetzt ja viel dichter dran. Wir haben ohnehin so viele thematische Überschneidungen, da ist das kein Problem. Auch die Kreis-CDU unterstützt mich sehr gut, und ich fühle mich hier genauso wohl wie zu Hause.

Am kommenden Wochenende findet in Rotenburg der CDU-Landesparteitag statt. Ist das Ihr Verdienst?

Arnoldt: (lacht) Leider kann ich mir das nicht auf die Fahne schreiben, denn die Parteitage rotieren. Aber vielleicht liegt es ein wenig daran, dass ich vor drei Jahren schon den JU-Landesparteitag nach Rotenburg geholt habe. Die Göbels Hotel Arena ist einfach ideal für solche Veranstaltungen.

Hat eine Region denn auch etwas davon, einen solchen Parteitag zu veranstalten?

Arnoldt: Ich denke schon: Wir können uns präsentieren und zeigen, wie schön es hier ist. Natürlich ist ein Parteitag keine regionale Heimatmesse, aber doch eine gute Möglichkeit, für die Stadt und den Kreis zu werben und einige Vorurteile über Nordhessen abbauen.

Worum geht es inhaltlich beim Parteitag?

Arnoldt: Die Europawahl ist unser Kernthema. Dafür muss überall noch kräftig die Werbetrommel gerührt werden, denn für viele ist Europa immer noch weit weg. Der langjährige Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Junker, wird als Ehrengast zu uns sprechen. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Landesvorstandswahlen...

...bei denen auch Sie als Beisitzerin kandidieren. Haben Sie keine Angst vor dieser Aufgabe?

Arnoldt: Wieso sollte ich Angst haben, das ist doch eine schöne Herausforderung. Frischer Wind bereichert sicher auch dieses Gremium, und Frauen tun der CDU immer gut. Ich habe jedenfalls richtig Gefallen an dem Beruf des Politikers gefunden. Mein Leitmotiv stammt von Charles Dickens: „Auch eine schwere Tür hat nur einen kleinen Schlüssel nötig.“ Ich möchte jedenfalls noch viele Türen öffnen.

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