Interview im Riesenrad: Christian Grunwald (CDU), Bürgermeister von Rotenburg, über Beziehungen im Kreis

Keine Rivalität

Von Kirchturmdenken hält er nichts – auch nicht beim Blick auf die Stadtkirche: Christian Grunwald, der Bürgermeister von Rotenburg, plädiert für interkommunale Zusammenarbeit. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Obwohl in seiner Heimatgemeinde Lispenhausen gerade Kirmes gefeiert wird, nimmt sich Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) auch Zeit für ein Interview im Lolls-Riesenrad mit Kai A. Struthoff

Herr Grunwald, zunächst die Gretchenfrage für jeden Rotenburger: Lolls oder Strandfest?

Christian Grunwald: Selbstverständlich Strandfest – da brauche ich nicht drüber nachzudenken. Das Strandfest hat etwas Besonderes, etwas Traditionelles für Rotenburg, was mit dem Lullusfest so nicht zu vergleichen ist.

Für mich als gebürtigen Berliner ist es schwer, die fast schon blinde Begeisterung der Einheimischen für ihre Heimatfeste zu verstehen. Helfen Sie mir dabei?

Grunwald: Das Wir-Gefühl. Das gibt es in einer so großen und anonymen Stadt wie Berlin nicht. In Rotenburg und in Bad Hersfeld kommt man einmal im Jahr zusammen und feiert sich selber.

Inzwischen haben wir einen guten Blick über Bad Hersfeld: Stiftsruine, wortreich, Lullusfest – wären Sie nicht lieber Bürgermeister von Bad Hersfeld?

Grunwald: Nein, ganz sicher nein! Rotenburg ist meine Heimatstadt, dort bin ich aufgewachsen. Ich habe so viele Dinge in Rotenburg vor – und abgesehen davon haben wir auch eine schöne Stadt mit Fachwerkbauten und Sehenswürdigkeiten. Ich liebe es, Bürgermeister von Rotenburg zu sein.

Obwohl Sie schon einige Monate im Amt sind und die Mühen der Niederung erreicht haben...

Grunwald: Einarbeitungszeit gab es keine: Schutzschirm, Konversion der Bundeswehr Ortsumgehung, Fuldabrücke – aber das sind keine Niederungen. Dabei kann man gestalten, und ich bin froh dabei zu sein.

Als Zugereister hat man den Eindruck, als ob die alten Kreisgrenzen zwischen Rotenburg und Hersfeld noch bestehen, und es eine gewisse Rivalität der Kreisteile gibt. Ist das so?

Grunwald: Ich sehe das nicht so. Vieles, was das Selbstbild ausmacht, liegt an der Infrastruktur. Bad Hersfeld am Autobahnkontenpunkt, Heringen und Philippsthal mit Kali und Salz – das haben wir im Norden nicht. Dafür gibt es viele touristische Werte. Jeder hat seine Vor- und Nachteile, die man gewinnbringend ausspielt. Rivalität aber, gibt es keine.

Ist diese Einschätzung die „Gnade der späten Geburt“ – Sie wurden nach der Gebietsreform geboren?

Grunwald: Das mag sein. Aber die Gnade der späten Geburt ist für mich in vielen Fragen von Vorteil: Ich blicke lieber nach vorn als zurück, auf das, was mal gewesen ist.

Hersfelds Bürgermeister Fehling und Sie sind beide recht neu im Amt und mussten gleich mit vielen Problemen kämpfen. Tauschen Sie sich darüber aus?

Grunwald: Thomas Fehling hat in Hersfeld viel schwierigere politische Verhältnisse als ich in Rotenburg. Außerdem hat Bad Hersfeld als Kreisstadt andere Probleme, aber auch andere Möglichkeiten als Rotenburg – deshalb müssen wir auch nicht in direktem Austausch stehen. Aber natürlich arbeite ich mit meinen Kollegen rechts und links – in Alheim und Bebra – intensiv zusammen. Die interkommunale Zusammenarbeit ist wichtig.

Ist das noch ausbaufähig?

Grunwald: Natürlich, gerade in der heutigen Zeit. Deshalb ist Kirchturmdenken oder das Festhalten an alten Kreisgrenzen falsch. Jeder kann nur gewinnen, wenn er interkommunal und nicht nur lokal denkt. Nur so kann man Geld sparen.

Sie haben die Rotenburger Bevölkerung aufgefordert, für die Weihnachtsmarktbeleuchtung zu spenden, Thomas Fehling propagiert bürgerschaftliches Engagement etwa bei der Pflege öffentlicher Einrichtungen. Ist das das kommunale Konzept der Zukunft?

Grunwald: Es geht nicht in erster Linie um finanzielle Partizipation. Aber wir müssen den Blick der Bürger dafür schärfen, was eine Kommune in der Zukunft noch leisten kann. Wenn man an Liebgewonnenem festhalten will, ist dafür künftig manchmal auch ein Eigenbeitrag nötig. Vieles, was bisher selbstverständlich war, ist künftig leider nicht mehr machbar.

Die Riesenradfahrt ist rum: Letzte Frage an den Strandfest-Fan: Gehen Sie denn mit Ihren Kindern auch aufs Lullusfest?

Grunwald: Ja, selbstverständlich, das machen wir jedes Jahr . In diesem Landkreis muss man auf dem Strandfest und auf dem Lullusfest gewesen sein.

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