Fernsehköche Zacherl, Kotaska und Baudrexel bringen das Bad Hersfelder Restaurant Luisenpark wieder auf Vordermann

Keine Jakobsmuscheln in Nordhessen

Im Fokus der Kamera: Fernsehkoch Mario Kotaska (Zweiter von rechts) zeigt Ercan Altuna und Florian Asbach (von links) vom Restaurant Luisenpark während der Dreharbeiten Tricks und Kniffe eines Sternekochs. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Was tun, wenn die Gäste ausbleiben? Birgit Asbach vom Restaurant Luisenpark in Bad Hersfeld hatte gemeinsam mit ihrer Familie die rettende Idee und meldete das Lokal für die Fernsehsendung „Die Küchenchefs“ des Senders Vox an.

Seit 12. Juni vergangenen Jahres betreiben die 54-Jährige und ihr Mann Dieter das Restaurant und Café in der ehemaligen Luisenschule am Bad Hersfelder Neumarkt als Familienbetrieb, in dem auch die drei Kinder samt Angehörigen mitarbeiten.

Nach einem guten Start gingen die Gästezahlen nach dem Lollsfest stark zurück. Die Gründe sehen Birgit Asbach und ihre Tochter Christina Göritz unter anderem darin, dass sie sich nicht deutlich genug vom Vorbetreiber abgegrenzt haben. Aber auch Spannungen mit dem Verpächter trügen zu Frust in Küche und Gastraum bei.

Im Januar hatte sich die Familie für die Teilnahme beworben, am Dienstag begannen die Dreharbeiten mit den prominenten Köchen – unangemeldet, wie alle Beteiligten betonen. Bei einem Casting war das Restaurant jedoch vorher unter die Lupe genommen worden. Zu den Auswahlkriterien, die die Fernsehmacher anhand von Umsatzzahlen oder der Küchenausstattung prüfen, zählt etwa, dass eine Gaststätte tatsächlich Hilfe braucht, aber auch, dass eine Kehrtwende überhaupt noch möglich ist. Diese Kriterien erfüllte der Luisenpark offenbar.

Das bescherte der Kreisstadt ein 48-stündiges Gastspiel der drei Fernsehköche Ralf Zacherl, Mario Kotaska und Martin Baudrexel. Letztgenannter wird im offiziellen Pressetext des Fernsehsenders als „Frauenschwarm“ bezeichnet. Eine Formulierung, die den gebürtigen Münchner beim Pressegespräch sichtlich irritierte.

Allein kamen die drei Köche natürlich nicht, sondern mit einem 13-köpfigen Produktionsteam. Mit dabei waren je zwei Kameramänner, Beleuchter und Tonmänner, dazu Autoren, die Aufnahmeleiterin, eine Maskenbildnerin und ein Ausstatter, der kurzfristige Besorgungen und Einkäufe erledigte. Schließlich blieben von der Ankunft bis zur gestrigen Neueröffnung nur rund 48 Stunden.

Reicht das, um tatsächlich Veränderungen herbeizuführen? Mario Kotaska betonte jedenfalls, dass die Sendung mehr sei, als Effekthascherei für gute Quoten. Unabhängig von der Drehdauer könne man ohnehin nur den „Schlüssel ins Schloss stecken“ und den Gastronomen die Augen öffnen, so der 37-jährige Sternekoch.

Die Ausgangsbedingungen seien bei diesem Einsatz vergleichsweise gut gewesen, schließlich hätten die Betreiber schon vor der Selbständigkeit in der Gastronomie gearbeitet. „Die Speisekarte war aber zu groß. In einen Restaurant in Nordhessen muss ich keine fünf Sorten Fisch oder gar Jakobsmuscheln haben“, meinte Kotaska.

Den Wahlkölner brachten die Dreharbeiten in die Nähe seiner Geburtsstadt Kassel. Und so war es auch der Koch mit den nordhessischen Wurzeln, der die Idee für eine Neukreation hatte, die künftig für ausreichend Gäste im Luisenpark sorgen soll: Nordhessen-Sushi, mit Hackfleisch als zentraler Zutat.

Kontrolle in fünf Wochen

Ob die Familie Asbach die Anregungen der Küchenchefs weiterhin umsetzt, wollen die Köche in etwa fünf bis sieben Wochen in Begleitung eines Kamerateams kontrollieren. Ein eigenes Bild vom neuen Speisenkonzept konnten sich die Gäste bei der Neueröffnung gestern Abend vor laufender Kamera machen. Einen Termin für die Ausstrahlung der in Bad Hersfeld gedrehten Folge gibt es noch nicht.

Von Jan-C. Eisenberg

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