Taxi-Unternehmen im Landkreis halten Kameras in Autos noch nicht für nötig

Keine Fotos von Kunden

Fahrer-Verhalten ist wichtig. Das meint Jens Marggraf, Taxiunternehmer aus Melsungen und Landesvorsitzender des Fachverbands Pkw-Verkehr. Foto: Schäfer-Marg

Hersfeld-Rotenburg. Taxi-Kunden in Frankfurt sollen künftig gleich nach dem Einsteigen mit Kameras abgelichtet und ihr Bild 24 Stunden gespeichert werden. Ziel ist, die Sicherheit der Taxifahrer zu erhöhen. In Bremen, wo die Fahrgäste bereits seit einem Jahr fotografiert werden, soll die Zahl der Übergriffe auf die Fahrer drastisch gesunken sein. Ein Modell auch für den Kreis Hersfeld-Rotenburg?

Grundsätzlich sinnvoll findet Jens Marggraf die Nutzung von Kameras. Er betreibt ein Taxi-Unternehmen mit Standorten in Melsungen und Rotenburg und ist Landesvorsitzender des Fachverbandes Pkw-Verkehr, der die Interessen der privaten hessischen Taxi- und Mietwagenunternehmen vertritt. 90 Fahrer und 40 Fahrzeuge gehören zu seinem Betrieb.

Relativ teuer

Die Geräte und deren Einbau seien relativ teuer – nicht jeder Taxi-Betrieb könne sich eine solche Investition leisten, sagt Marggraf. Obwohl es durchaus auch auf dem flachen Land zu schwierigen Situationen komme, sei die Installation von Kameras in der Region noch nicht zwingend empfehlenswert. In Frankfurt rechnet man mit bis zu 1000 Euro pro Gerät und Einbau.

Marggraf rät Taxifahrern grundsätzlich zu deeskalierendem Verhalten, empfiehlt zurückzustecken, ruhig und freundlich zu bleiben. Unschöne Auseinandersetzungen gebe es immer wieder, besonders wenn Alkohol im Spiel sei. Über Fahrtrouten und Fahrpreise werde von Kunden gern gestritten.

Wenn wirklich Gefahr drohe, sollte der Fahrer anhalten, das Auto verlassen und die Polizei rufen. Für unnötig hält Jörg Engel von Taxi-Engel Rotenburg die Installation von Kameras in seinen Fahrzeugen. Sein Unternehmen sei seit 20 Jahren im Transportgeschäft, und es sei niemals etwas vorgefallen, was einen solchen Schritt rechtfertigen könne. Übergriffe seitens der Kunden habe es nie gegeben.

Ähnlich sieht das Fritz Hebig, Inhaber von Taxi-Keßler in Bebra. Auch in seinem Unternehmen sei zum Glück nie etwas passiert. Natürlich gebe es hin und wieder mal verbale Auseinandersetzungen, wenn Kunden zu viel getrunken hätten. Aber das seien Ausnahmen. Zu seinen Fahrgästen gehören überwiegend ältere Menschen, „gediegene Kunden“, wie Hebig meint. Die Installation von Kameras sei überflüssig und Geldverschwendung.

Ähnlich sieht das auch Cornelia Schmidt von der Firma Taxi-Schmidt in Bad Hersfeld-Heenes. In ihrem Unternehmen habe man noch keine so schlechten Erfahrungen mit Kunden gemacht, dass ein Einsatz von Kameras gerechtfertigt sei. Cornelia Schmidt befürchtet, dass Kunden durch eine Kamera abgeschreckt würden – „Die fühlen sich überwacht.“ Hintergrund

Von Silke Schäfer-Marg

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