64. Bad Hersfelder Festspiele: In der Waschküche herrscht Hochbetrieb

Keine Angst vor Schweiß

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Teamarbeit für saubere Kostüme bei den Festspielen: In der Waschküche haben die Ankleider vor allem nach den Aufführungen alle Hände voll zu tun. Hinten von links die Leiterin der Kostümabteilung Stephanie Krey und Dresser Eugen Dittrich. Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Weißes und Buntes wird strikt getrennt, mit Sicherheitsnadeln zusammengehalten werden dagegen die Socken. In der Waschküche der Bad Hersfelder Festspiele haben die Ankleider vor allem nach den Aufführungen alle Hände voll zu tun.

Nach jeder Vorstellung wird die „Leibwäsche“ gewaschen, die direkt am Körper getragen wird. Bei „Kiss me, Kate“ kommen so stets sechs Maschinen Wäsche zusammen, darunter rund 30 Paar Socken. Auch die Handtücher aller Darsteller werden jedes Mal gewaschen.

„Pro Saison kommen insgesamt sicher tausend Waschladungen zusammen“, rechnet Stephanie Krey, Leiterin der Kostümabteilung. Was nicht in die Maschine darf, wird mit der Hand bearbeitet. Hartnäckige Flecken werden mit Gallseife oder Spezialreiniger vorbehandelt. In die Reinigung gegeben werden Kostüme nur, wenn sonst gar nichts mehr geht. Für das Waschen, Trocknen und Bügeln der Festspiel-Kostüme sind die Ankleider (Englisch: Dresser) verantwortlich.

Sechs feste Mitarbeiter und einige Aushilfen gehören zum Team. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Alle wissen genau, was mit welchem Programm, wie lange und bei welcher Temperatur gewaschen wird. Seit sieben Jahren ist Eugen Dittrich dabei. Der 74-Jährige war Ingenieur und frönt seit der Rente seiner Theaterleidenschaft. „Es kommt nicht nur darauf an, was das Publikum sieht, wichtig ist, dass sich die Darsteller in ihrer Kleidung wohl- fühlen“, weiß Dittrich. Er kennt inzwischen auch alle Tricks: „Kunstblut ist eine echte Herausforderung. Das wird noch unter der Bühne eingeweicht, sonst bleiben dunkle Flecken, wie bei echtem Blut.“

Die Probenkostüme der Festspieler werden nur auf Verlangen gewaschen, richtig los geht es mit der Arbeit in der Waschküche erst mit den Endproben. Nach der letzten Aufführung der Saison sind die fleißigen Helfer noch zehn bis vierzehn Tage im Einsatz. Vor Saisonbeginn wird Waschmittel für die komplette Spielzeit geordert. Dabei legt Stephanie Krey Wert auf Ökowaschmittel. „Das riecht zwar nicht so gut, schont aber die Umwelt.“

Fürs Bügeln werden jeden Tag mindestens zehn Liter Wasser verbraucht. Und: „Gut aufgehängt, ist halb gebügelt“, weiß Krey. Nicht gebügelt werden Socken und Unterwäsche. „Wenn jemand nett fragt, gibt es aber Raum für Spezialwünsche“, so Krey schmunzelnd. Nur für Privatwäsche ist die Festspiel-Waschküche tabu. „Die Dresser erkennen jedes Teil“, warnt Eugen Dittrich.

Zimperlich dürfen die Mitarbeiter in der Waschküche nicht sein. „Wer Angst vor Schweiß hat, ist für diesen Job nicht geeignet“, sagt Dittrich. Ihm mache es Spaß. „ Zu sechst in der Waschküche kann es lustig sein, und anschließend gehen wir ein Bier trinken.“

Von Nadine Maaz

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