Bad Hersfelder Festspiele 2011: Jan Jaroszek spielt im „Hamlet“ den Horatio

Keine Angst vor der Ruine

Kommt aus Hannover zu den Festspielen: Jan Jaroszek, der Horatio im Hersfelder „Hamlet“. Foto: Schönholtz

Hannover/Bad Hersfeld. „Hannover hat auch seine schönen Seiten“, beteuert Jan Jaroszek, doch beim Gang über den heruntergekommenen Raschplatz auf der Rückseite des Bahnhofs fällt das schwer zu glauben. Dennoch ist die niedersächsische Landeshauptstadt dem Schauspieler aus Stuttgart zur zweiten Heimat geworden. Hier studiert er seit 2007 an der Hochschule für Musik, Theater und Medien und wird in diesem Sommer seinen Abschluss machen.

Vor Publikum bewähren

Bevor es so weit ist, wird der 24-Jährige gemeinsam mit seinem Kommilitonen Parbet Chugh weitere praktische Erfahrungen sammeln und sich vor Publikum bewähren müssen. Bei den Bad Hersfelder Festspielen in Jean-Claude Beruttis „Hamlet“-Inszenierung, in der Jaroszek als Horatio zu sehen sein wird.

Darauf freut er sich. „Der Horatio wirkt auf den ersten Blick langweilig, also muss man sich etwas überlegen.“ Weil Hamlets Stichwortgeber zunächst zwar zunächst als „arroganter Fatzke“ daherkäme, durch die Begegnung mit dem Geist jedoch „entzaubert“ würde, sieht Jaroszek in seiner Rolle gestalterisches Potenzial. Allerdings: „Man darf auch nicht zuviel hineininterpretieren, sonst fliegt’s einem um die Ohren.“

Jaroszek war zwar zum Vorsprechen schon einmal in Bad Hersfeld. Doch das fand in der Stadthalle Stadt statt, die Stiftsruine kennt er noch nicht, hat aber keine Angst vor dem Dimensionen von Bühne und Zuschauerraum. „Ich hatte bisher noch nie Probleme, einen Raum auszufüllen,“ sagt er selbstbewusst, klopft aber sicherheitshalber auf Holz. „Das wird schon.“

Der ihm eigene Optimismus hat Jan Jaroszek auch bei der Berufswahl zur Seite gestanden. „Ich war schon in der Schule immer lustig, so etwas wie der Klassenclown.“ Mitschüler hätten ihn deshalb ermuntert, bei einem Theaterprojekt für Jugendliche in Bochum vorzusprechen. Jaroszek: „Und das hat geklappt und Spaß gemacht.“

Nur tröpfchenweise

Vor allem verschaffte ihm dieses Engagement einen Überblick über all das, was beim Theater auf und hinter Bühne gearbeitet wird. Es folgten weitere kleine Rollen, Regiehospitanzen und dann eben das Studium.

Obwohl die Kultur in Deutschland allenthalben von Sparzwängen bedroht wird, sind Jan Jaroszek noch keine Zweifel an seiner Berufswahl gekommen. „Das bekommt man nur so tröpfchenweise mit,“ sagt er.

Seine persönliche unmittelbare Zukunft ist jedenfalls nicht bedroht: Jaroszek wird ab der Spielzeit 2011/12 festes Ensemblemitglied des Stuttgarter Theaters.

Info: „Hamlet“ hat am 29. Juni Premiere. Karten beim Ticket-Service, Am Markt 1, 36251 Bad Hersfeld, Telefon 06621/201360, www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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