Buchpreis-Trägerin Kathrin Schmidt verarbeitete ihren Schlaganfall in einem Roman

Keine Angst vor dem Tod

Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2009 Kathrin Schmidt: Unser Foto zeigt sie nach der Preisverleihung in Frankfurt am Main mit ihrem Buch „Du stirbst nicht“. Am 26. Januar kommt sie zu einer Lesung in die City-Galerie. Foto: AP

Bad Hersfeld. Ein paar Tropfen Blut im Gehirn verändern ihr Leben. Im Sommer 2002 hat die Berliner Schriftstellerin Kathrin Schmidt einen Schlaganfall. Es tut nicht weh, nur verlässt sie plötzlich alle Kraft. Es gelingt ihr noch, sich zu ihrem Mann zu schleppen. Der ruft sofort den Notarzt und sagt seiner Frau beschwörend: „Du stirbst nicht“.

So heißt deshalb auch der Roman von Kathrin Schmidt, in dem sie sieben Jahren nach ihrem Schlaganfall beschreibt, wie sie sich aus dem Koma mühsam wieder zurück ins Leben gekämpft hat. Die Krankheit hatte ihr die Sprache geraubt, „ganz einfache Wörter waren weg, der Weg vom Gedanken zum Wort gekappt“, erzählt sie in einem Interview.

Für ihren eindringlichen Roman, in dem gleichzeitig auch ein Stück DDR-Vergangenheit aufgearbeitet wird, hat Kathrin Schmidt im vergangenen Jahr den renommierten Deutschen Buchpreis erhalten. Jetzt kommt die Schriftstellerin auf Einladung der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe nach Bad Hersfeld. Am Dienstag, 26. Januar, liest sie ab 19 Uhr in der City-Galerie aus ihrem Buch.

„Es ist wirklich toll, wie Kathrin Schmidt klar und selbstbeobachtend beschreibt, was passiert, wenn man einen Schlaganfall hat,“ sagt Dr. Axel Saure. Der Neurologe ist Fachmann für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall und betreut die Selbsthilfegruppe an Klinikum, die seit 10 Jahren besteht und einer der Initiatoren der Lesung.

Zehntausend Menschen erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall. „Wir wollen die Menschen mit der Lesung persönlich erreichen, über die Krankheit informieren, aber auch Hoffnung machen“, sagt Prof. Dr. Markus Horn, Chefarzt der Klinik für Neurologie, über die Veranstaltung. Vor der Lesung wird HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm der Autorin einige Fragen stellen, nach der Lesung hat das Publikum das Wort. Dann steht auch Dr. Axel Saure für Fragen zur Verfügung.

„Schlaganfall-Betroffene sind froh über eine sehr persönliche Formulierung und doch typische Darstellung der sehr schwierigen Phase nach einem Schicksalsschlag, der das Leben für immer verändert“, erklärt Dr. Saure, warum das Klinikum die Autorin eingeladen hat.

„Für Klinik-Mitarbeiter ist die Darstellung von Wahrnehmungen und Empfinden in der intensivmedizinischen und rehabilitativen Phase sehr wertvoll, zumal Frau Schmidt das in einer Weise darstellt, die nicht nur persönlich betroffen macht, sondern auch sehr genau beobachtet und beschreibt, was wir aus Diagnostik und Therapie wieder erkennen“, sagt Dr. Saure.

Außerdem erzähle die Autorin aber auch eine gute Geschichte, weshalb die Literatur bei der Lesung im Vordergrund stehe. Kathrin Schmidt hat in ihrem Roman jenen Schicksalsschlag literarisch aufgearbeitet, der ihr Leben verändert hat. Ihr Resümee nach der schweren Krankheit lautet: „Ich habe keine Angst mehr vor dem Tod.“

†  Die Lesung von Kathrin Schmidt findet am Dienstag, 26. Januar, ab 19 Uhr in der City-Galerie statt. Der Eintritt ist frei, eine Spende für die Selbsthilfegruppe ist willkommen.

Von Kai A. Struthoff

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