In Bad Hersfeld gibt es viele Stützmauern – und viele davon müssen saniert werden

Keine ist wie die andere

Individuelle Lösungen: Im „Schlippental“ erhielt die bestehende Stützmauer ein Korsett aus Betonstreben, das am Ende verblendet wird. Fotos: Schönholtz

Bad Hersfeld. Als Bad Hersfeld nach dem Zweiten Weltkrieg um fast das Doppelte wuchs, musste schnell und mit wenig Geld gebaut werden. Wohnraum war vonnöten und die dazugehörige Infrastruktur – darunter im hügeligen Städtchen zahlreiche Stützmauern. Gut 60 Jahre später sind viele davon sanierungsbedürftig – für das Technische Rathaus eine sich lang hinziehende Herkulesaufgabe, für die Anwohner mitunter eine unerwartete finanzielle Belastung. Auch die Bauqualität von Stützmauern aus den 60er Jahren lässt in vielen Fällen zu wünschen übrig.

Wenn wie in der Straße „Am Steffen“ gleich eine ganze Reihe von Mauern erneuert werden muss und sich der Kostenanteil der Anlieger auf relativ wenige Grundstückseigentümer verteilt, dann sind im Extremfall fünfstellige Beträge fällig. Schon alleine deshalb ist es Martin Bode, Leiter des Fachbereichs Technische Dienste, ganz wichtig zu versichern, dass die Stadt Bad Hersfeld hier weder Luxus- noch Lustsanierung betreibt, sondern dass nur dort gebaut wird, wo auch Handlungsbedarf besteht.

Systematische Erfassung

Dabei bedient sich das Bauamt der Mithilfe des Kasseler Büros Brakon, das die Stützmauern im Stadtgebiet systematisch erfasst und einstuft. Neigungen, Risse und Brüche werden bewertet und daraus die Dringlichkeit einer Sanierung abgeleitet.

Doch auch dann gibt es kein Schema F. „Keine Mauer ist wie die andere“, macht Bodes Mitarbeiter Jürgen Harth deutlich. So haben die Planer für unterschiedliche Problematiken auch ganz individuelle Lösungen gefunden. Beispiel Friedhofsmauer am „Lappenlied“: Hier mussten ganze Segmente herausgenommen und erneuert werden. Im ersten Bauabschnitt wurde die abgängige Mauer sogar in einer Sofortmaßnahme aus Sicherheitsgründen durch Anschüttungen gestützt, um kein weiteres Risiko einzugehen.

Die Anlieger im „Schlippental“ durften dagegen erleben, wie ihre Mauer im Grunde erhalten blieb, jetzt aber durch ein davorgesetztes Stützkorsett im Zaum gehalten wird. Verblendungen mit steingefüllten Gabionenkörben sorgen am Ende dafür, dass die ganze Mauer wie neu aussieht. Das Beste daran: Die Kosten dieser Methode sind deutlich geringer als sie für eine Komplett-Erneuerung gewesen wären.

Und dann gibt es noch Spezial-Fälle wie die eine Mauer, die in der Straße „Am Frauenberg“ auf privatem Grund an der Hangseite steht. Einzelne Abschnitte sind leicht geneigt, so dass hier mittelfristig etwas unternommen werden muss. Weil ohne die Mauer die Straße kaum zu nutzen wäre, ist nicht etwa der Grundstückseigentümer zuständig, sondern die Stadt. Damit werden die Kosten von der Allgemeinheit und den Anliegern getragen. Und dabei kommt es nicht zuletzt auf die Einstufung der Straße an, die wohl nicht nur von den Anwohnern befahren wird, sondern auch vom Durchgangsverkehr. Auch hier wird es am Ende heißen: Keine ist wie die andere.

Derzeit prüft die Verwaltung, wie die Anlieger nach Möglichkeit von den Folgen der kostenintensiven Maßnahmen entlastet werden können. In Gesprächen mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund soll geklärt werden, ob wiederkehrende Straßenbeiträge die Lösung sind. Dabei werden die Kosten nicht nur auf die Anlieger der betroffenen Straße direkt, sondern in einem größeren Gebiet umgelegt. Zwar sinkt dann die Kostenhöhe pro Grundstück, jedoch müssen dann deutlich mehr Anlieger als bisher mit Kostenbescheiden rechnen.  hintergrund

Von Karl Schönholtz

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