Gemeinde Kirchheim gibt Naturerlebnispark auf – Viele Fragen noch offen

Kein Zeitplan für das Ende

Bald Schnee von gestern? Die Wildpark-Bediensteten Friedrun Hinz und Ingo Glebe füttern die Damhirsche im Naturerlebnispark Kirchheim. Bis Jahresende will die Gemeinde den Betrieb des Wildgeheges aufgeben. Foto: Eisenberg

Kirchheim. Das Damhirschrudel spaziert am Zaun seines Geheges im Kirchheimer Naturerlebnispark entlang, die Kaninchen knabbern am Gemüse, welches ihnen ihre Pfleger gerade gebracht haben. Über allem liegt an diesem Wintermorgen eine dicke Schneeschicht.

Wie lange Mümmelmänner, Hirsche und die übrigen der insgesamt 170 Tiere noch in Kirchheim bleiben werden, ist unklar. Während seiner jüngsten Sitzung hatte das Kirchheimer Gemeindeparlament beschlossen, den Park im Zuge der Sparmaßnahmen für den kommunalen Schutzschirm bis Jahresende aufzulösen (unsere Zeitung berichtete). Diese Entscheidung kam für Beobachter überraschend. Im ursprünglichen Entwurf des Schutzschirmvertrages war vorgesehen, bei Firmen und Privatpersonen für Tierpatenschaften im Wert von insgesamt 20 000 Euro zu werben und die Tierhaltung auf anspruchslose Arten zu beschränken.

Platz für Tiere suchen

Einen Zeitplan für das Ende des Naturerlebnisparks gebe es noch nicht, teilt Bürgermeister Manfred Koch (SPD) auf Anfrage mit. „Das Parlament hat uns den Auftrag erteilt, die Anlage abzuwickeln. Zuerst werden wir Gespräche mit dem Regierungspräsidium führen und klären, welchen Auflagen wir dabei unterliegen“, berichtet der Verwaltungschef. Danach müssten geeignete Plätze für die Tiere gefunden werden. „Das wird bei manchen Tierarten einfacher als bei anderen. Die Sittiche sind große Volieren gewöhnt. Wenn man die in einen kleinen Vogelkäfig sperrt, gehen sie ein“, meint Koch. Neben Hirschen leben im Park auch Haus- und Kleintiere, Iltisse, Waschbären, Wildkatzen und verschiedene Vogelarten. In der jüngeren Vergangenheit war das in den 1960er Jahren gegründete Wildgehege Aulatal zum Naturerlebnispark mit großem Abenteuerspielplatz umgestaltet worden.

Dass für den Park nun wohl endgültig Schluss ist, kam auch für die Angestellten überraschend. Sie hatten bis zuletzt gehofft, dass es mit reduziertem Tierbestand weitergeht. Ein Festangestellter und zweieinhalb 400-Euro-Kräfte kümmern sich derzeit um die Tiere. Der Vertrag der Vollzeitstelle läuft nach Auskunft von Bürgermeister Manfred Koch zum Sommer hin aus und soll nicht verlängert werden.

Im Park engagieren sich auch ehrenamtliche Helfer bei der Betreuung der Tiere und der Instandhaltung der Anlagen. Die haben die Anlage offenbar noch nicht vollständig aufgegeben.

Wie unsere Zeitung aus dem Kreis der ehrenamtlichen Wildparkunterstützer erfuhr, gibt es erste Überlegungen, bis hin zur Gründung eines Vereins zum Erhalt.

Einen Wildpark-Fördervein gibt es schon seit längerem, dessen Arbeit ruht allerdings derzeit.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare