In der City Galerie kamen gestern Fundsachen unter den Hammer

Kein Umtausch möglich

Kuriose Fundsache: Neben Fahrrädern und Schmuck brachte Auktionator Werner Schlacher auch dieses Plüsch-Meerschwein unters Volk. Fotos: Eisenberg

Bad Hersfeld. „Meine Damen und Herren, im Jahr 2009 habe ich sie belogen“, begrüßt Werner Schlacher das Publikum in der City Galerie. Denn eigentlich hatte sich der Vollziehungsbeamte der Stadt Bad Hersfeld bei der letzten Fundsachenversteigerung von den Bietern verabschiedet. „Ich bin ja schon im Ruhestand,“ erklärt er, „aber die neue Kollegin hat so eine Versteigerung noch nicht mitgemacht und wollte erst einmal sehen, wie das funktioniert.“

Und so erleben die zahlreichen Kaufinteressenten und Schaulustigen, die sich in der City-Galerie eingefunden haben, noch einmal eine Versteigerung ganz in Schlacher-Manier: Unterhaltsam, gewürzt mit flotten Sprüchen und teilweise unter vollem Körpereinsatz bringt der Auktionator das an den Mann oder die Frau, was in der Vergangenheit in der Festspielstadt verloren und liegengelassen wurde.

Aber auch von der Polizei beschlagnahmte Hehlerware, deren rechtmäßiger Besitzer nicht gefunden werden konnte, kommt unter den Hammer. Ein Jahr hatten die Eigentümer Zeit, ihren Besitz abzuholen. Jetzt ist Ausverkauf.

Los geht es wie immer mit den Fahrrädern. Der erste Drahtesel geht für immerhin 45 Euro weg. Bei einem gelben Kinderfahrrad, bei dem die Kette schon auf den Boden hängt, findet sich zunächst kein Interessent, auch wenn Schlacher es immer wieder als „ideales Geschenk für die Nachbarskinder“ anpreist.

Für alle Gegenstände die an diesem Tag versteigert werden, gilt: Gekauft wie gesehen. Ein Umtauschrecht oder Garantieansprüche haben die erfolgreichen Bieter nicht. Das gilt auch für ein Fahrrad, dessen Ständer sich nicht hochklappen lässt. Und auch die jungen Frauen, die für eine Kollegin aus Versehen das falsche Damenrad ersteigerten, haben Pech. Und weil natürlich auch niemand wissen kann, ob der Motor des Kraftrades noch läuft, entbrennt ein kleiner Streit zwischen Auktionator und Bietern über den Startpreis. Für 35 Euro wechselt es schließlich den Besitzer.

Aus dem Blindenheim

Weniger Glück hat Schlacher zunächst bei den Fernsehern, auch wenn er diese, zur Freude des Publikums, als „aus dem Blindenheim“ anpreist. Viele Bieter sind Schnäppchenprofis, die der Auktionator mit Namen kennt. Aber auch einige Passanten geben ein spontanes Gebot ab. Einer, der fleißig mitbietet, ist „Fetenmacher“ Horst Günther. Unter anderem zwei Fahrräder, einen Laptop und eine Stereoanlage nennt er am Ende schließlich sein eigen. Einen Laptop für 145 Euro kann man schließlich immer gebrauchen“, sagt er.

Während Handys zwischen drei und 18 Euro problemlos weggehen, muss sich Schlacher bei den Kuriositäten ins Zeug legen. „Mit benutztem Wattestäbchen“ preist er den Inhalt eines Koffers an, der schließlich ebenso einen Abnehmer findet, wie ein Plüschmeerschwein für zwei und eine Tasche samt Handy, Messer und Verhüterli für 35 Euro. Selbst die Fernseher und das Kinderfahrrad wird Werner Schlacher noch los, eine Gehhilfe und einige Brillen sollen im nächsten Jahr wieder angeboten werden. „Anfangs lief es schleppend, aber ich bin zufrieden“, so das Fazit Schlachers, nach seiner „wahrscheinlich letzten“ Auktion.

Von Jan-C. Eisenberg

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