Honorare: Kritik an Propaganda gegen niedergelassene Mediziner

Kein Streik, aber Empörung bei Ärzten

Hersfeld-Rotenburg. Mit einem Streik niedergelassener Ärzte müssen die Patienten im Kreis Hersfeld-Rotenburg heute noch nicht rechnen. Das erklärte Dr. Thomas Lepper (Phillippsthal) als Vertreter des Hausärzteverbands auf Nachfrage. Die Kassenärzte verschiedener Ärzteverbände hatten am Freitag gedroht, ab heute viele Praxen aus Protest geschlossen zu halten, wenn die Krankenkassen ihr Honorarangebot für die bundesweit 150 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten nicht nachbesserten.

Gestern nun wurden zwar die Verhandlungen erneut abgebrochen. Dennoch zeichnet sich in unserem Kreis bislang kein Streik ab. Er persönlich halte nicht viel von Streiks, sie schadeten den Patienten, und die Politik wache trotzdem nicht auf, erklärte Lepper. Er spricht von Propaganda gegen die Ärzte. Erst wenn junge Ärzte sich nicht mehr niederließen, wachten die Verantwortlichen auf.

Der Sprecher des Hausärzteverbands im Kreis Hersfeld-Rotenburg, Dr. Martin Ebel (Bad Hersfeld), spricht von Stimmung, die gegen die Ärzte gemacht werde. Die Kassen säßen auf Milliarden Überschüssen und versagten den Kassenärzten eine bescheidene Erhöhung. Das sei ein falsches Signal für den Nachwuchs, erklärte Ebel.

Auch in Rotenburg gibt es bisher keine Initiative von Ärzten, die streiken wollen. Dr. Wilfried Rank erklärte für die Rotenburger Ärzte, man warte zunächst ab, wie es weitergehe. Man tue sich schwer mit Streiks, weil ein solcher immer die Patienten treffe.

Die Ärzteschaft sei aber empört über das Vorgehen der Kassen. Von den angekündigten 1800 Euro mehr pro Jahr müsste die Hälfte für Praxiskosten abgezogen werden. Nach dem Abzug der Steuern blieben etwa 40 Euro monatlich übrig, doch allein die Lohnsteigerung für eine Auszubildende betrage schon 30 Euro pro Monat, rechnete Rank vor. SEITE 2

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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