Bad Hersfelder Festspiele: Jessica Kessler und Björn Bonn spielen in Cabaret mit

Kein Preis zu gewinnen

Bad Hersfeld. Mit dem Publikumspreis der Bad Hersfelder Festspiele wird es wohl für beide nichts werden. Weder Jessica Kessler noch Björn Bonn spielen im Musical „Cabaret“ Rollen, mit denen bei den Zuschauern Sympathiepunkte zu gewinnen sind. Dafür taugen die Figuren der Prostituierten Fräulein Kost und des Nazis Ernst Ludwig einfach nicht. Dennoch treten beide Darsteller mit dem Anspruch an, zu zeigen, warum ihre Charaktere so sind, wie sie eben sind.

„Ich bin da im Konflikt mit mir selbst“, gesteht Jessica Kessler, denn ihre Figur arrangiert sich mit dem System und heult am Ende mit den Nazi-Wölfen. Leichter fällt es der Duisburgerin, ihren angeborenen Ruhrgebiets-Dialekt zu vergessen und stattdessen zu berlinern – mittlerweile auch privat. „Da hat sich meine Mutter schon gewundert,“ lächelt sie.

Für Björn Bonn und Regisseur Gil Mehmert bestand der Reiz bei der Probenarbeit darin, das Unangenehme der Figur so lange wie möglich zu verbergen und die Entlarvung des Nationalsozialisten hinauszuzögern. Die rechte Gesinnung soll erst nach und nach deutlich werden. „Ich gehe professionell damit um“, sagt Bonn, der in seiner Rolle die Verlobungsfeier des jüdischen Kaufmanns mit der Pensionswirtin sprengen muss. „Schauspielerisch macht das Spaß“, sagt Bonn, „auch wenn ich dabei eine Hakenkreuz-Binde am Arm habe.“

In Bad Hersfeld sind beide Darsteller schnell heimisch geworden. Beide haben von ihren Quartieren einen Panorama-Blick über die Stadt, er vom Steffen, sie vom Frauenberg. Bonn, der trotz eines sechsjährigen Engagements in Kassel nie den Weg in die Festspielstadt fand, empfindet Ruhe und Beschaulichkeit als angenehmen Kontrast zur Großstadt. Jessica Kessler findet die Hersfelder „total nett“ und fühlt sich hier „fast wie im Kur-Urlaub“.

Wenn die Festspiele vorbei sind, wird Kessler für ein Jahr nach Wien gehen, um im Raimund-Theater im Musical „Mozart!!!“ mitzuwirken. Außerdem arbeitet sie an einer Karriere als Schlagersängerin. Ihre erste Single „Himmel und Hölle“ ist gerade erschienen.

Björn Bonn will sich hingegen ein wenig neu orientieren und hat einen Kurs für Synchronsprecher absolviert. Bonn ist vor fünf Monaten Vater einer Tochter geworden und möchte deshalb etwas sesshafter werden.

Jetzt aber läuft erst einmal der Countdown für „Cabaret“. Am Freitag nächster Woche ist Premiere.

Von Karl Schönholtz

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