Stadt kann Zusage nicht einhalten

Kein Platz mehr für Kunstverein

Bad Hersfeld. Die Tage des Kunstvereins in der Schildehalle sind gezählt. Kurz nach der Eröffnung der Mitgliederausstellung erfuhr der Vorstand des Vereins, dass die Stadt die Zusage des früheren Bürgermeisters Hartmut H. Boehmer, dem Kunstverein die Galerie in der Halle dauerhaft zur Verfügung zu stellen, nicht einhalten kann.

Das Problem ist, wie so oft, das Geld. Es gebe eine neue Situation bei der Finanzierung der Schildehalle, erläutert Bürgermeister Thomas Fehling gegenüber unserer Zeitung. Die Stadt sei vom Finanzamt auf eine sogenannte Brutto-Veranlagung umgestellt worden. Das heißt, die Vorsteuer in Höhe von 800 000 Euro wird in Raten von 80 000 Euro über zehn Jahre nur erstattet, wenn die Stadt nachweisen kann, dass sie die Halle für umsatzsteuerpflichtige Veranstaltungen vermietet.

„Wenn wir dem Kunstverein die Galerie, also die Hälfte der Halle, gratis zur Verfügung stellen, ist das keine umsatzsteuerpflichtige Leistung. Das allein würde schon einen Verlust von 40 000 Euro bedeuten“, stellt Fehling fest. Dazu kämen noch die entgangenen Mieteinnahmen für die Galerie und das Problem, dass die Halle für potenzielle Mieter uninteressant sein könnte, wenn die Galerie vom Kunstverein genutzt wird. Insgesamt befürchtet Fehling Verluste von 80- bis 90 000 Euro pro Jahr, würde die Zusage Boehmers eingehalten.

Auch die Hoffnung auf zusätzliche Fördermittel des Landes für die Einrichtung einer Kunstgalerie auf der Galerie habe sich zerschlagen, bedauert Fehling.

Alternativen suchen

Er habe dem Kunstverein jedoch zugesichert, dass die Stadt nach Alternativen für den Kunstverein suchen werde.

Für den Verein bedeutet der Verlust der Schildehalle eine „Vollbremsung aus dem Galopp“, so beschreibt es Gerhard Zinn. „Wir haben schon so viel geplant“, sagt Silvia Dostal. Unter anderem wurde ein Austausch mit einer Künstlergruppe aus Italien in die Wege geleitet. Die Italiener werden am nächsten Wochenende nach Bad Hersfeld kommen, um die Halle in Augenschein zu nehmen, die nun nicht mehr genutzt werden kann.

Geplant war zudem eine flankierende Kunstaktion zur nächsten documenta. Der Kunstverein hoffte sogar, Außenstelle der documenta in Kassel werden zu können.

Die spannungsreiche Ausstellungsfläche hat schon zur derzeit laufenden Mitgliederausstellung mehr Künstlerinnen und Künstler zur Teilnahme inspiriert, als jemals zuvor. Auch die jungen Mitglieder, die Kunststudenten, wollten die Galerie für besondere Aktionen nutzen, erzählt Magdalena Gremm.

Immer unterwegs

Über die neue Entwicklung und das vorläufige Aus für ihre großen Pläne sind die Mitglieder des Kunstvereins sehr enttäuscht. Aufgeben werden sie aber nicht. „Wir sind Nomaden, wir sind immer unterwegs“, sagt die Vorsitzende Magdalena Gremm. Und sie ist zuversichtlich, dass sich der Kunst neue Türen auftun werden.

Von Christine Zacharias

Kommentare