Montagsinterview mit Michael Roth (SPD) zum Auftakt des Bundestagswahlkampfes

Ich bin kein Hinterbänkler

Er will gestalten und verändern: Michael Roth vor dem SPD-Büro im Michael Schnabrich-Haus in Bad Hersfeld. Foto: Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Vor einer Woche ist Michael Roth mit 97,8 Prozent der Stimmen zum Bundestagskandidaten der SPD im Wahlkreis 171 Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner nominiert worden. Kai A. Struthoff sprach mit ihm über den bevorstehenden Wahlkampf.

Herr Roth, während Sie bereits nominiert sind, streitet die CDU noch um ihren Bundestagskandidaten. Ist das gut für Sie?

Michael Roth: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich freue mich über mein hervorragendes Ergebnis. Die CDU aber hat die Wahl offenbar erneut aufgegeben. Es wird ja wohl nicht darüber gestritten, wer gegen mich gewinnen könnte, sondern wer den besten CDU-Listenplatz bekommt. Schade! Eine Bundestagswahl ist ja nicht nur ein Parteienwettbewerb, sondern auch eine Personenwahl. Die Wählerinnen und Wähler haben schließlich zwei Stimmen.

Da müssten Sie sich doch eher vor Helmut Heiderich fürchten, der viel Erfahrung und einen direkten Draht zur Regierung hat, wie er immer wieder betont.

Roth: Abgeordnete sollten sich nicht so wichtig nehmen. Projekte sind meist dann erfolgreich, wenn sie auf Initiativen engagierter Bürger beruhen, die uns auf die Pelle rücken und uns unterstützen. Ansonsten sollte man uns an den konkreten Taten messen. Ich bin von Schwarz-Gelb ziemlich enttäuscht. Wo hat diese Bundesregierung etwas Positives für unsere Region getan? Viele großen Verkehrsinfrastrukturprojekte kommen nicht voran – statt dessen wurde der letzte Bundeswehrstandort auch noch dicht gemacht. Und unsere Bad Hersfelder Arbeitsagentur wurde mit Fulda fusioniert.

Kritik könnte man auch an Ihnen üben, Sie tun es sogar selbst und geben zu, dass Sie zu selten in der Region sind. Haben Sie als SPD-General in Hessen und europapolitischer Sprecher zu viele andere Aufgaben?

Roth: Ich finde mich ungern damit ab, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Aber ich bin in unserer Region dennoch sehr präsent. Für Vereinsveranstaltungen, Diskussionsrunden, Schul- und Betriebsbesuche nehme ich mir viel Zeit – auch wenn das immer wieder zu Lasten von Parteiveranstaltungen geht. Ich bin gerne im Wahlkreis unterwegs. Ich bin aber eben kein Hinterbänkler. Ich will gestalten und etwas verändern. Das kann man nur, wenn auch andere wissen: Der Junge kann was. Ich habe mich nach diesen wichtigen Aufgaben ja nicht gedrängt, sie wurden mir angetragen.

Bleiben wir noch mal bei der Kandidatensuche. Auch die SPD eiert da ja rum. Für wen sind Sie denn nun: Steinbrück, Steinmaier oder Gabriel?

Roth: Es stimmt, wir eiern rum. Wir sollten über unseren eigenen Zeitplan zur Kandidatenkür noch einmal sehr kritisch nachdenken. Ansonsten setze ich auf einen Kandidaten, der zum Programm passt, nicht allein das Kernklientel der Sozialdemokraten anspricht, der Biss hat und es wirklich wissen will.

Das klingt für mich sehr nach Steinbrück?

Roth: Das ist Ihre Interpretation.

Das große Thema ist derzeit die Eurokrise. Wird das auch Ihren Wahlkampf hier vor Ort beherrschen?

Roth: Es geht nicht um Wahlkampf – ich will überzeugen. Europa ist mein Lebensthema! Was hier derzeit an Populismus in Deutschland abläuft, macht mich schier irre. Der Wert Europas ist doch nicht nur in Euro zu bemessen. Es geht vielmehr um Frieden, Freiheit, Sicherheit. Wie wollen wir sonst die Globalisierung gestalten? Aber das vergessen viele und denken nur noch in nationalen Kategorien. Dabei leben wir alle, auch hier in der Region, davon, dass es allen in Europa gut geht und unsere Nachbarn unsere Produkte kaufen können.

Welche weiteren Themen sind Ihnen persönlich wichtig?

Roth: Wichtig ist mir vor allem die Bildungsgerechtigkeit, unabhängig von der Dicke des Geldbeutels, aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Niedriglohnsektor muss massiv eingeschränkt werden. Fleißige Arbeitnehmer müssen von ihrem Lohn leben können. Außerdem müssen wir auch im ländlichen Raum weiterhin eine flächendeckende medizinische Versorgung sicherstellen. Ich sehe mich als Angebot für alle Wähler, nicht nur für in der Wolle gefärbte Sozis. Meinen Einsatz konnten die Wähler jetzt in vier Legislaturperioden seit 1998 beurteilen. Meine Arbeit macht mir immer noch viel Freude. Und das spüren die Menschen hoffentlich auch.

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