Montagsinterview zur bevorstehenden Schließung des Rotenburger Amtsgerichts

Kein fünftes Rad am Wagen

Die Tage des Rotenburger Amtsgerichts sind gezählt: Zum Jahresende wird der Standort geschlossen. Direktor Harald Jungkurth (Bildmitte), die beiden Personalräte Joachim Prokoph und Margita Schade sowie 22 weitere Bedienstete müssen künftig im Bad Hersfelder Gericht arbeiten. Foto: Schönholtz

Rotenburg. Seit die Hessische Landesregierung vor wenigen Tagen das entsprechende Gesetz auf den Weg gebracht hat, ist das Aus für das Amtsgericht in Rotenburg so gut wie beschlossen – vorgeblich, um Kosten zu sparen. Unsere Zeitung sprach mit Direktor Harald Jungkurth sowie den Personalräten Joachim Prokoph und Margita Schade über die Stimmung unter den Bediensteten und den zum Jahresende bevorstehenden Umzug nach Bad Hersfeld.

Herr Jungkurth, hatten Sie bis zuletzt noch Hoffnung, dass der Gerichtsstandort Rotenburg erhalten bleibt?

Harald Jungkurth: Nein. Ich bin fest davon ausgegangen, dass das Amtsgericht geschlossen wird.

Sind in diesem Wissen schon erste Vorbereitungen für den Umzug in das Bad Hersfelder Amtsgericht angelaufen?

Jungkurth: Ja.

Welche sind das?

Jungkurth: Hersfeld hat schon eine Koordinierungsgruppe gebildet. Auch die Rechtspfleger haben bereits darüber gesprochen, wie denn die Aufnahme vonstatten gehen soll, welche Räumlichkeiten angedacht sind und in welchen Tätigkeiten die Rotenburger eingesetzt werden sollen. Der Hersfelder Direktor Eimer hat zugesagt, dass Wünsche berücksichtigt werden, soweit es der Geschäftsablauf ermöglicht. Rotenburg wird also nicht das fünfte Rad am Wagen sein.

Gibt es so etwas wie den Tag X oder wird der Umzug schrittweise vollzogen?

Jungkurth: Wir gehen davon aus, dass es am 2. Januar 2012 in Hersfeld losgeht. Für die Umsetzung benötigen wir auch einen gewissen Vorlauf. Zwangsversteigerungen müssen terminiert werden, die Richter brauchen Sitzungssäle. Wie zieht unser Grundbuch um, wo kommen die ganzen Akten hin? Das muss alles abgestimmt werden, da ist einiges im Vorfeld zu erledigen. Und das ist alles schon am Laufen. Es ist also nicht so, dass wir bis zum 31. Dezember hier abwarten. Das geht ja gar nicht.

Frau Schade, wie ist denn jetzt die Stimmung unter den Bediensteten?

Margita Schade: Na ja, besonders erfreut ist keiner, aber so richtig schwarz sieht auch niemand mehr. Ich glaube, wir werden dem Amtsgericht in Rotenburg noch lange nachtrauern, aber wir werden auch ohne Vorbehalte in Bad Hersfeld arbeiten. Wir hoffen natürlich, dass dann auch alle gleich behandelt werden und die Rotenburger nicht schlechter gestellt werden als die Hersfelder.

Herr Prokoph, kommen denn alle mit nach Hersfeld oder ist manchem der Weg zu weit?

Joachim Prokoph: Vom Aufwand her ist das eigentlich kein Thema, denn ich kann mich ja auch in den Zug setzen und nach Hersfeld fahren. Problematisch ist es vielleicht für unsere Halbtagskräfte.

Gibt es da Härtefälle, für die es sich dann nicht mehr lohnt?

Prokoph: Da könnte ich schon Beispiele nennen. Alleinerziehende etwa, die könnten wegen der längeren Fahrten zum Arbeitsplatz Probleme bekommen.

Herr Jungkurth, sehen Sie in der Zusammenlegung beider Gerichte auch irgendwelche Vorteile?

Jungkurth: Da fällt mir auf die Schnelle nichts ein. Wir müssen die Arbeit da erledigen, und wir müssen die Arbeit hier erledigen. Wenn ich in Hersfeld mein Dezernat im Betreuungsbereich weitermachen soll, wird das aufwendiger. Es ist ein Unterschied, ob Sie von Hersfeld ins Altenheim nach Nentershausen oder ins Herz- und Kreislaufzentrum fahren müssen oder hier von Rotenburg. Dies sind oft eilige Angelegenheiten, die ein Zuwarten nicht zulassen, weil dringende medizinische Behandlungsmaßnahmen anstehen, sodass unter Umständen auch mehrmals in der Woche der Altkreis Rotenburg angefahren werden muss.

Wirklich keine Vorteile?

Jungkurth: Vielleicht, wenn Sie mal Krankheitsausfälle haben. Das ist in einer größeren Behörde leichter aufzufangen.

Herr Jungkurth, Sie sind hier Direktor. Werden Sie demnächst auch Direktor in Bad Hersfeld, wenn Herr Eimer in den Ruhestand geht?

Jungkurth (lacht): Das entscheide ganz sicher nicht ich.

Von Karl Schönholtz

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