Angehende Hotelfachleute beenden ihre Lehrzeit mit Prüfungsessen am Obersberg

Kein Drama im Gastraum

Konzentriert: Die angehende Hotelfachfrau Tamara Kurz serviert der stellvertretenden Schulleiterin der Beruflichen Schulen, Christine Draude, Forellenfilets mit Zuckerschoten. Fotos: Eisenberg

Bad Hersfeld. Edle Kronleuchter mit weißen Kerzen, auf Hochglanz poliertes Besteck und akkurat ausgerichtete Weingläser – das Lehrrestaurant der beruflichen Schulen am Obersberg gleicht einem gehobenen Restaurant.

Diese Ähnlichkeit ist kein Zufall, schließlich sollen die insgesamt sechs angehenden Hotelfachleute, eine Restaurantfachfrau und eine Fachkraft im Gastgewerbe an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ihre Abschlussprüfungen unter realistischen Bedingungen ablegen.

An diesem Dienstagnachmittag sind vier angehende Hotelfachleute an der Reihe. Das mittägliche Testessen ist nur ein Teil der aus schriftlichen und praktischen Elementen bestehenden Prüfung. Ein Verkaufsgespräch und das Vorbereiten von Cocktails gehört ebenso dazu. Bei der Praxis zählt nicht alleine der Service, sondern auch bereits die korrekte Vorbereitung der Tische. „Zum 400. Todestag des englischen Dramatikers lautet das Motto in diesem Jahr Shakespeare“, erläutert Berufsschullehrerin Stefanie Killmer.

Die angehende Hotelfachfrau Tamara Kurz hat dieses Motto mit kunstvoll aufgeschriebenen Zitaten aus der Tragödie Romeo und Julia sowie kleinen Dolchen und Ringen als Tischdeko aufgegriffen. Auch dieser Prüfungsteil hat durchaus einen ernsten Hintergrund: „Es geht darum, dass sich die Auszubildenden sich mit dem Thema auseinandersetzen. Das ist wichtig, wenn sie später beispielsweise damit beauftragt werden, ein italienisches Buffet vorzubereiten. Oder von den Gästen auf die Festspiele angesprochen werden“, erklärt der Vorsitzende des IHK-Prüfungsausschusses, Tino Knierim-Prinz. Ganz im Gegensatz zum Motto spielen sich zum Glück im Gastraum keine Dramen ab. Routiniert schenken die angehenden Hotelfachfrauen Getränke aus und bringen Tagliatelle mit Garnelen, Forellenfilets mit Zuckerschoten und Risotto sowie Whisky-Eis mit gebackener Physalis an die Tische, an denen neben den Mitgliedern des Prüfungsausschusses auch Gäste aus dem Umfeld der Schule Platz genommen haben.

Da die angehenden Servicekräfte ihre Ausbildung vorzeitig abschließen, wird das Essen nicht von Prüflingen, sondern vom dritten Köche-Lehrjahr zubereitet. Die Prüfer um Tino Prinz-Knierim schauen derweil ganz genau hin: „Wie ist die Laufrichtung, wie legen sie vor, wie ist die Präsenz am Tisch, das alles spielt eine Rolle“, erklärt er.

Während sich die Prüfungskommission zur Beratung zurückzieht, ist den angehenden Hotelfachfrauen die Erleichterung förmlich anzusehen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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