Nur wenige Amazon-Saisonkräfte bleiben / Verdi will Verträge überprüfen

Kein Ansturm auf Sozialkassen

Bad Hersfeld. Für Heinz K. (Identität geändert) endete die Weihnachtssaison ohne schöne Bescherung. Nach 18 Monaten bei Amazon lief sein Vertrag ohne nähere Begründung aus, berichtet unser Leser, der im Kreis lebt und lieber anonym bleiben will. „Ich habe gern bei Amazon gearbeitet und meine Kollegen gemocht“, erzählt K. traurig.

Dabei hatte alles gut angefangen. K. bekam positive Bewertungen von seinen Vorgesetzten, stieg rasch zum Co-Worker auf und durfte neue Mitarbeiter anlernen. Dann wurde er acht Wochen krank. Als er zu Amazon zurückkehrte, hatte er einen neuen Vorgesetzten. „Dem hat wohl meine Nase nicht gefallen“, vermutet K, denn plötzlich konnte der zuvor Gelobte seinen Chefs nichts mehr Recht machen. Zum Ende des Weihnachtsgeschäfts lief sein Vertrag aus. Eine Begründung dafür bekam K. nicht.

Ähnliche Berichte erreichten unsere Redaktion auch von anderen Lesern. Auch die Gewerkschaft Verdi ist inzwischen aktiv geworden. „Die Auswahlkriterien für die Übernahme sind ziemlich undurchsichtig“, bemängelt Mechthild Middeke von Verdi Nordhessen. Auch sie weiß von Schwerbehinderten oder Nachschichtarbeitern, die ohne nachvollziehbare Begründung nicht übernommen wurden.

Verdi will deshalb die betreffenden Verträge rechtlich prüfen lassen und fordert Amazon auf, die Auswahlkriterien offenzulegen.

Dennoch bestätigt auch Mechthild Middeke, dass Amazon in diesem Jahr deutlich mehr Mitarbeiter in unbefristete Arbeitsverhältnisse übernommen hat. „Das ist eigentlich positiv“, sagt sie und führt dies auch auf den Druck durch die Gewerkschaften zurück.

Unterdessen scheint der befürchtete Ansturm von nicht weiterbeschäftigten ausländischen Mitarbeitern auf die Sozialkassen im Kreis auszubleiben. „Die überwiegende Mehrheit von ihnen ist weg“, sagt Sozialdezernentin Elke Künholz. Der Kreis beschäftigt sich derzeit mit elf Fällen von ehemaligen Amazon-Mitarbeitern, die hier um finanzielle Unterstützung nachgesucht haben. Nach dem Europäischen Fürsorgeabkommen EFA, sei der Kreis verpflichtet, ihnen zu helfen. Das gleiche gilt auch für Arbeitnehmer, die schon in ihrem Heimatland die entsprechenden Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung erworben haben.

„Das bereitet uns weder zahlenmäßig noch inhaltlich irgendwelche Probleme“, erklärt der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Matthias Oppel. Bei der Arbeitsagentur hätten sich nur zwei junge Spanier gemeldet, die nach ihrer Amazon-Zeit im Kreis bleiben wollen. „Sie sind jung, gut ausgebildet und haben sofort einen Deutschkurs gemacht“, berichtet Oppel. Er hält sie für gut vermittelbar. „Es könnte ruhig einige mehr sein“, sagt Oppel deshalb mit Blick auf den leergefegten Arbeitskräftemarkt in der Region. (kai)

Von Kai A. Struthoff

Kommentare