Psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen verschlechtert sich dramatisch

Kaum Platz für neue Fälle

Hersfeld-Rotenburg. Für den Fortbestand einer psychiatrischen Ambulanz für Kinder und Jugendliche in Bad Hersfeld in bisheriger Qualität und bisherigem Umfang setzt sich der Kreisausschuss beim Hessischen Sozialministerium ein. Dazu beauftragten ihn die Kreistagsmitglieder, die einem entsprechenden SPD-Antrag allesamt zustimmten.

Es werden außerdem verbindliche Regelungen gefordert, die den Erhalt des Angebots während des Übergangs der Zuständigkeit von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Marburg (Vitos) zum Herz- Jesu-Krankenhaus in Fulda gewährleisten.

Die kritische Versorgungssituation hatte Bernd Stahl (SPD) vor der Abstimmung geschildert. Die Zahl von ursprünglich 20 Beschäftigten der Ambulanz habe sich mittlerweile halbiert. Es gebe eine Versorgungslücke im Kreis, die immer größer werde.

Tagesklinik

Hintergrund ist die Ankündigung des Herz-Jesu-Krankenhauses Fulda, in Bad Hersfeld eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Tagesklinik mit 16 Plätzen in der zweiten Hälfte dieses Jahres eröffnen zu wollen, da sie hierfür den Versorgungsauftrag erhalten habe. Daraufhin beschloss die von Vitos getragene Ambulanz, ihre Arbeit bis September 2011 auslaufen zu lassen. Inzwischen sind viele Mitarbeiter der Ambulanz schon gegangen, doch bezüglich einer Tagesklinik hat sich noch nichts getan.

Die Versorgung der Kinder und Jugendlichen jedoch habe sich dramatisch verschlechtert, berichtete Stahl. Neue Fälle könnten kaum noch angenommen werden, „das heißt, weniger Kinder und Jugendliche erhalten zeitnahe Hilfe“. Psychische Probleme wie Aggressionen, Angst, Schulverweigerung, Selbstwertstörung oder Depressionen müssten aber frühzeitig behandelt werden.

Wie es weitergehe, darüber gebe es keine klaren Aussagen. Das Herz-Jesu-Krankenhaus warte auf den Bewilligungsbescheid, während das Sozialministerium sage, das Verfahren über die Förderbewilligung sei noch gar nicht abgeschlossen.

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt bestätigte die fehlende Bewilligung für 16 Tagesplätze, die am Elisabethkrankenhaus geplant sind. Die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz sagte, es müssten Alternativen für die Übergangszeit gesucht werden. Die Ambulanz könnte im Elisabethkrankenhaus integriert werden. (ank)

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