250 Dinge, die wir an der Region mögen (50): Der unbekannte Bahnhof

Kaum einer kennt ihn

Rundum mit Wald und dichtem Buschwerk umgeben ist der Überholbahnhof der ICE Strecke Hannover-Würzburg im Kirchheimer Beiersgraben. Foto: Löwenberger

Kirchheim. Fast eineinhalb Kilometer lang und bis zu 120 Meter breit ist das Bahnhofsgelände. In weiten Teilen des Areals verlaufen bis zu acht Schienenstränge parallel zueinander. Menschen trifft man hier allerdings fast nie.

Die Rede ist vom Durchgangsbahnhof Kirchheim mit der Betriebsstellenbezeichnung FKHM der Deutschen Bahn zwischen Kirchheim und dem Neuensteiner Ortsteil Obergeis. Dieser Überholbahnhof, wie er von den Kirchheimern genannt wird, ist Teil der ICE-Strecke Hannover - Würzburg, die in den 1970er und 80er Jahren gebaut wurde. Die Inbetriebnahme der Abschnitte zwischen Würzburg und Nörten-Hardenberg erfolgte in den Jahren 1988 bis 1990. Der Bau der rund 330 Kilometer langen Strecke mit vielen Tunneln und Brücken, auf der Geschwindigkeiten bis fast 300 Stundenkilometer möglich sind, kostete damals fast zwölf Millionen D-Mark.

Der Betriebsbahnhof im Beiersgraben ist einer der aufwändigsten entlang der gesamten Strecke und erlaubt nicht nur das Überholen der Züge untereinander, sondern gibt mit seiner Vielzahl an Weichen und Nebengleisen auch die Möglichkeiten zu rangieren oder Züge entgegen der Fahrtrichtung – etwa bei Störungen – auf die Strecke zu schicken.

Schon während der Bauphase wollte der damalige Kirchheimer Bürgermeister Wiegand Kimpel einen Güterumschlagplatz zwischen Straße und Schiene bauen lassen.

Auch die folgenden Bürgermeister Karl-Heinz Spangenberg und Manfred Koch (SPD) brachten später, sogar mit Unterstützung durch den Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg, Dr. Karl-Ernst Schmidt (CDU), den Überholbahnhof immer wieder ins Gespräch.

Vorschläge abgelehnt

Zeitweise gab es gar Vorschläge, der Bahnhof könne zum Personenbahnhof ausgebaut und so die Autobahngemeinde an das Schnellbahnnetz der Deutschen Bundesbahn angebunden werden. Die Bahn lehnte dies aufgrund der mangelnden Infrastruktur ab. Der Stopp würde die Fahrzeit um fünf Minuten verlängern und so bundesweit einschneidende Fahrplanänderungen erfordern. Sogar europaweit müssten Anschlusszüge neu koordiniert werden.

Auch in jüngerer Zeit war der Bau eines Rasthofes im Zusammenhang mit fehlenden Lkw-Parkplätzen, eventuell mit großem Cargo-Center, im Bereich des Reckeröder Berges wieder im Gespräch.

Die A7 und der Überholbahnhof liegen hier nur etwa 200 Meter voneinander entfernt. Offenbar wollen sich aber weder das Bundesautobahnamt noch die Deutsche Bundesbahn diesen Plänen öffnen. Und so wird das Gelände FKHM als eine Art deutsche „Area 51“ vermutlich auch weiterhin hauptsächlich menschenleer bleiben. Das liegt auch daran, dass es rund um den Bahnhof nur eines gibt: reichlich Wald.

So fährt man auf der Straße zwischen Kirchheim und Obergeis direkt an der Anlage vorbei, ohne es zu bemerken – außer man biegt hinter der langen Unterführung rechts ab. Aber Achtung: Das Betreten des Privatgeländes könnte unangenehme Fragen – und Folgen – nach sich ziehen. Ich weiß, wovon ich berichte und am Ende haben mich nur mein Presseausweis und eine schlüssige Argumentation vor Schlimmerem bewahrt.

Von Bernd Löwenberger

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