Kaufkraft, Kasperletheater und Königs-Schänder

Kai A. Struthoff

In regelmäßigen Abständen untersucht das weltweit tätige Marktforschungsunternehmen GFK, wie Menschen leben, denken und konsumieren. Jetzt liegen neue Zahlen auch für unsere Region vor. Die gute Nachricht zuerst: Bad Hersfeld wird zum wirtschaftlichen Staubsauger für die ganze Region. Die sogenannte Zentralitätskennziffer weist gegenüber früheren Erhebungen eine enorme Steigerung aus.

Menschen aus der ganzen Region und über Kreisgrenzen hinaus kommen zum Einkaufen zu uns. Im Wettbewerb mit den anderen Mittel- und Oberzentren stehen wir also gut da. Das ist auch wichtig, denn die Kaufkraft in unserer Region ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gesunken. Kein Wunder, weniger Menschen geben auch weniger Geld aus. Trotzdem stimmen die Zahlen positiv. Wir leben eben in einer attraktiven Gegend! Aber das wissen wir ja längst.

Manchmal kann man das freilich vergessen. Mein Kollege Mario Reymond beispielsweise kam ziemlich wütend von der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in Heringen zurück. Zwischen Pinocchio-Puppen und gegenseitigen Schuldzuweisungen wird die Kommunalpolitik dort zum Kasperletheater. Seinen Unmut darüber hat er heute in einem Kommentar Luft gemacht. Wäre er mal lieber nach Friedewald gekommen. Dort haben sich beim Bürgermeisterforum unserer Zeitung zwei engagierte Kandidaten präsentiert, die gute Ideen für die Zukunft der Gemeinde haben.

Ich gebe zu, ein paar mehr Nachfragen der Zuhörer hätte ich mir gewünscht, aber offenbar lebt man in Friedewald gut, gerne und ohne große existenzielle Probleme. Eine wichtige Frage müssen jetzt die Wähler beantworten: Dirk Noll oder Wolfgang Bax? Am 16. September wissen wir mehr.

Ob man den Bürgermeistern in unserer Region irgendwann einmal ein Denkmal setzen wird? Ich weiß es nicht? Falls ja, dann ergeht es ihnen hoffentlich besser als den Königs-Büsten im Stiftsbezirk. Bei all ihren Schlachten und Kreuzzügen sind die armen Kerle nicht so malträtiert worden wie auf ihrem Sockeln vor der Ruine. Unser Leser Rolf Malachowski hat jetzt sogar gefordert, eine Belohnung zu Ergreifung der Königs-Schänder auszuloben.

Unsere kleine Stadt und die Region sind nachweislich attraktiv für Menschen von nah und fern. Umso ärgerlicher ist es, wenn Vandalen das Bild unserer Stadt mutwillig demolieren.

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