Katerstimmung und Wahlkampfgerangel

Kai A. Struthoff

Geburtstagsfeiern sind eine feine Sache, aber nach dem Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Landkreises herrscht Katerstimmung. Die Sozialdemokraten sind stinksauer und sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer „Selbstbeweihräucherung“ des Landrates und der CDU.

Tatsächlich ging es bei der Feier viel um die Verdienste der CDU für die Wirtschaft und im Kampf gegen den demografischen Wandel. Die sozialdemokratischen Landräte wurden mit keinem Wort erwähnt. Auffällig war auch, dass bei der Feierstunde viele prominente Sozialdemokraten des Kreises fehlten. War das nun nur Termindruck oder ein Ausdruck des Protests? Und zum offiziellen Foto mit Fahne wurde die SPD-Vizelandrätin Künholz nicht hinzugebeten. Ein Fauxpas oder Absicht?

Offenbar hat also auch bei uns der Wahlkampf begonnen. Im nächsten Jahr geht es ja um die Tickets nach Berlin und Wiesbaden. Die CDU etwa ringt um einen gemeinsamen Kandidaten für die Bundestagskandidatur, und dabei wird gleichzeitig auch schon um die Landtagswahl geschachert. Mein Kandidat, dein Kandidat. Sogar Wiesbaden und Berlin sollen dabei mitmischen, hört man. Und auch im Landratsamt hat scheinbar das Rangeln um die Pole-Position begonnen. Herrliche Zeiten also – wenigstens für Journalisten!

Katerstimmung herrscht auch im wortreich. Das schöne Mitmach-Museum bekommt in diesen Tagen – auch bei uns – Schlagzeilen, die es eigentlich nicht braucht und verdient. Doch die wirtschaftliche Schieflage darf nicht ignoriert werden. In einer solchen Situation sind die ewigen Besserwisser mit Kritik schnell dabei – vor allem, wenn sie an den Entscheidungen nicht beteiligt waren. Doch welche Chance haben Kommunalpolitiker – ehrenamtliche zumal – wenn ihnen Gutachten präsentiert werden, die auf tönernen Füßen stehen? Wäre das Dilemma erkennbar gewesen, und waren wir alle – auch die Presse – zu euphorisch?

Auch nach der Trennung von der Bremer Betreiberfirma gärt es jedenfalls weiter hinter den Kulissen. Offenbar geben nämlich die ersten Exponate bereits ihren Geist auf. Es wird gemunkelt, dass Billigmaterial verbaut wurde. Auch die Frage von Regressansprüchen gegen Petri & Tiemann steht weiter im Raum, obwohl Bürgermeister Thomas Fehling sichtlich bemüht ist, diesen Ball flach zu halten.

Immerhin – noch steht die Stadtpolitik geschlossen zum wortreich, und diese Sicherheit brauchen die Ausstellung und ihre engagierten Mitarbeiter, von denen jetzt manche um ihren Arbeitsplatz bangen müssen. Viel Zeit bleibt dem neuen Führungsduo Fehling & Mayer aber nicht, um das Ruder rumzureißen. Gleichwohl kann jeder einzelne Bürger zur Zukunftssicherung des wortreichs beitragen. Laden Sie sich Freunde und Bekannte ein und gehen Sie am Wochenende doch einfach mal hin – es lohnt sich!

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