„Der Barbier von Sevilla“ ist heute die zweite Premiere der Hersfelder Opernfestspiele

Katastrophe wird Klassiker

Mediterraner Trubel: Auf der Bühne der Stiftsruine entsteht heute Abend die spanische Stadt Sevilla. Dort werben gleich zwei Männer um die schöne Rosina (Mitte, Teresa Smolnik). Fotos:  Hartmann

Bad Hersfeld. Das römische Publikum war außer sich. Gestürzte Orchestermusiker, eine streunende Katze auf der Bühne und ein Sänger mit blutender Nase. Wenn man den Legenden Glauben schenkt, war die Uraufführung des „Barbiers von Sevilla“ 1816 eine Katastrophe.

Besser wird es heute Abend sicher das Ensemble der Bad Hersfelder Opernfestspiele machen, das Gioacchino Rossinis Komposition auf die Stiftsruinenbühne bringt. Nach der Aufführung der „verkauften Braut“ am gestrigen Mittwoch ist der Barbier die zweite Premiere der Opernsaison 2011.

Trotz des wenig verheißungsvollen Starts gehört Rossinis Werk heute zu den beliebtesten komischen Opern. Der Spaß beginnt mit einem Morgenständchen unter dem Fenster der Sevillaner Schönheit Rosina (Teresa Smolnik). Geschickt hat die Musikanten der Graf Almaviva (Stephan Scherpe), ein schmucker Adliger aus gutem Haus und glühend in das Mädchen verliebt.

Doch Rosinas Heim gleicht einer Festung, streng bewacht von ihrem Vormund, Don Bartolo (Riccardo Di Francesco), der selbst ein Auge auf die vermögende junge Dame geworfen hat. Es bedarf einiger Raffinesse und den Verkleidungskünsten eines kessen Figaros (Johannes Wollrab), um den Grafen seiner Rosina näher zu bringen.

Inszeniert wird der italienische Bühnentumult von Regisseur Hugo Wieg, der selbst ein diplomierter Opernsänger ist. Für den 65-Jährigen ist die Bad Hersfelder Stiftsruine alles andere als Neuland. Hier hat er bereits 2007 den „Figaro“ und ein Jahr später die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ inszeniert.

Lob von Publikum und Kritikern brachte ihm auch die „Zauberflöte“ ein, die er im vergangenen Sommer in Bad Hersfeld inszenierte. Er selbst bezeichnet sich als glühenden Mozart-Verehrer, doch nun hat er sich mit Rossinis Opera buffo einem heitereren Stoff zugewandt.

Genau wie sein Regie-Kollege Josef Novak („Die verkaufte Braut“) legt Hugo Wieg viel Wert auf originalgetreue Umsetzung des Barbier-Stoffes. Wilde Katzen und blutige Nasen wird es also heute Abend höchstwahrscheinlich nicht geben.

† Die Premiere des „Barbier von Sevilla“ beginnt heute Abend um 20.30 Uhr in der Bad Hersfelder Stiftsruine. Eröffnet wird sie von Martin Maria Krüger, Präsident des deutschen Musikrates. Weitere Aufführungen finden am 13.,15.,17.,19.,21. und 23. August statt.

Kartentelefon: 06621/506713 und 506718. Oder Onlinebestellung unter www.oper-badhersfeld.de

Von Saskia Trebing

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