Katastrophe in Asbach

Ein amerikanischer Soldat (rechts) bewacht einen Trupp junger gefangener Wehrmachtsangehöriger. Das Bild soll vor der Halle der Raiffeisen in Asbach aufgenommen worden sein. Karl Blei aus Reiskirchen ist hinter dem mittleren deutschen Soldaten leicht verdeckt zu sehen. Foto: dpa

Was sich am Nachmittag des Karfreitags 1945 in Asbach abspielte, hätte durchaus als Vorlage für Bernhard Wickis legendären Anti-Kriegsfilm „Die Brücke“ dienen können.

Ein Trupp junger deutscher Soldaten unter Führung eines fanatischen Offiziers verschanzte sich vor Asbach und lieferte sich ein fast vierstündiges Gefecht mit den aus Richtung Beiershausen anrückenden Amerikanern, die bereits Niederaula besetzt hielten. Zu dem Wehrmachtstrupp gehörte auch Karl Blei aus Reiskirchen bei Gießen.

Schuss mit Panzerfaust

50 Jahre später, im Frühjahr 1995 bei Reportagen zum Jahrestag des Kriegsendes, entdeckte sich der damals 17-jährige Soldat auf einem Foto der Deutschen Presseagentur wieder, das nach dem Gefecht in Asbach vor der Halle der Raiffeisen in der Nähe des Bahnhofs aufgenommen worden sein muss, als die Amerikaner die deutschen Soldaten gefangen genommen hatten. Journalisten des „Gießener Anzeigers“ erzählte er, dass er damals vor Asbach eingesetzt war. Zuvor habe er in dem Ort Geilshausen bei Gießen gelegen und an Flucht gedacht. Aber zuviele Soldaten hatte er nach Standgerichten an Bäumen hängen sehen.

Blei, damals 17 Jahre alt, wartete zusammen mit rund 40 Kameraden der „Stamm Schwadron Aufklärungs-Ersatz Abteilung 1“, die zur in der Bad Hersfelder Kaserne untergebrachten Kraftfahr-Ersatzabteilung 9 gehörte, an besagtem Karfreitag in einem Graben vor Asbach auf die Alliierten. Neben ihm ein Soldat mit einer Panzerfaust.

Als die Amerikaner heranrollten, fragte er Blei: „Soll ich...?“. Das Nein des Gießeners ging im Knall der Panzerfaust unter. Der Schuss saß. Das US-Führungsfahrzeug, ein Panzerspähwagen der „3. Cavalry Group, mechanized“ ging sofort in Flammen auf, der Zugführer, Lieutenant Wood, und sein Fahrer kamen ums Leben. Daraufhin zogen sich die Amerikaner nach Beiershausen und Kerspenhausen zurück, um aber mit doppelter Kraft zurückzukommen.

Foto vor Raiffeisenhalle

Es folgte ein massiver Panzerangriff, der halb Asbach zerstörte. Aber auch die Amerikaner mussten weitere Verluste hinnehmen (siehe Hintergrund). Blei und seine Kameraden gerieten bei der Flucht, die über den Besengrund gegangen sein muss, in Gefangenschaft. Sie wurden nach Asbach zurückgebracht und von den Amerikanern vor der Halle der Raiffeisenbank verhört, wo die Aufnahme oben entstanden ist.

Blei erinnert sich, dass die Amerikaner unbedingt wissen wollten, wer den Panzer des Kommandeurs abgeschossen hat. Er war im übrigen froh, dass er in die Hände der Amerikaner geriet, weil er unbedingt mal nach Amerika wollte. Dasschaffte er zwar nicht, aber er überlebte die Gefangenschaft - im Gegensatz zu anderen Kameraden, die in russische Lager kamen. (wz) (Mehr lesen Sie in unseer gedruckten Ausgabe)

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