MRSA-Netzwerk: Weiter ungeklärte Fragen

Kassen kommen nicht für Kosten auf

Dr. Dieter Gobrecht

Hersfeld-Rotenburg. Der Kampf gegen den gefährlichen Keim MRSA kostet viel Geld. Das wurde beim zweiten Treffen des MRSA-Netzwerks im Kreis Hersfeld-Rotenburg deutlich. Das Problem: „Die Verantwortlichen in den Krankenkassen kümmern sich nicht genug darum“, sagt Dr. Dieter Gobrecht, Leiter des Kreisgesundheitsamtes.

Ungeklärt ist beispielsweise die Frage, wer im Verdachtsfall bei Patienten und Pflegekräften sowie Ärzten, aber auch bei alten Menschen im Pflegeheim oder in häuslicher Pflege die Untersuchung bezahlt, mit der MRSA nachgewiesen wird (Screening). Die Kassen zahlen in der Regel auch nicht die Entkeimung (Dekolonisation) eines MRSA-Trägers, der also nicht selbst krank ist, aber für andere gefährlich werden kann.

Dies war beispielsweise eines der Themen, die Peter Bergen vom niedersächsischen Landesgesundheitsamt in seinem Vortrag „MRSA-Herausforderung“ während des MRSA-Netzwerk-Treffens ansprach, zu dem das Kreisgesundheitsamt eingeladen hatte.

Enkel darf Opa besuchen

Wichtig wird auch die Information von Familienmitgliedern , insbesondere pflegenden Angehörigen, sein. Es bestehe eine große Unsicherheit bezüglich MRSA, sagte Gobrecht. So spreche beispielsweise nichts dagegen, dass das Enkelchen im Pflegeheim den Opa besuche, auch wenn er MRSA-Träger sei. „Der gesunde Mensch ist nicht gefährdet“, betont der Mediziner. Eine gründliche Desinfektion der Hände nach dem Besuch sei ausreichend.

Weitere dringliche Frage zum Thema MRSA war laut Gobrecht der Einsatz von Antibiotika. „Der Einsatz zum Beispiel bei Grippe verbietet sich“, betonte Dr. Gobrecht. Antibiotika dürften in der Regel nur gezielt und mit einem so genannten Antibiogramm verordnet werden, mit dem die Wirksamkeit zuvor getestet wird.

Viel zu häufig würden Breitband-Antibiotika eingesetzt, kritisiert der Mediziner. Zu häufige Verabreichung von Antibiotika führe dazu, dass die Erreger sich verändern – wie bei MRSA – und herkömmliche Antibiotika nicht mehr wirkten.

Das Netzwerk strebt ein einheitliches Vorgehen bei MRSA an. Dazu gehören auch die Fragen, wer überhaupt auf MRSA getestet wird , welche Hygienemaßnahmen getroffen und wie die Angehörigen informiert werden sollen.

Problematisch ist auch der Mangel an Einzelzimmern in Krankenhäusern und Pflegeheimen bei MRSA-Verdacht.

An dem MRSA-Treffen nahmen 55 Vertreter der Krankenhäuser im Kreis sowie der ambulanten und stationären Altenpflege, der niedergelassenen Ärzte und des Roten Kreuzes teil. Ein neu gegründeter Beirat wird sich weiter mit einer einheitlichen MRSA-Strategie befassen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Kommentare