Der Festspiel-Schauspieler Rainer Hauer erzählt Anekdoten aus seinem Leben – Ehrung vom Rotary-Club

Mit der Kasperlepuppe fing alles an

Helmut Kirchner (links) ehrte als Rotary-Altpräsident Rainer Hauer für das „goldene Bühnenjubiläum“ in Bad Hersfeld. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Fast auf den Tag genau vor fünfzig Jahren betrat Rainer Hauer erstmals die Bretter der historischen Stiftsruine. Vier Stücke wurden 1962 gespielt. Als Wiederaufnahme der „Sommernachtstraum“, bei dem echtes Gestrüpp die Bühne verschandelte. „Die Bühne ruft nach künstlerischer Gestaltung“, entrüstete sich Hauer. Er wurde für mittelgroße Rollen in „Antigone“, „Maria Stuart“ und Hauptmanns „Florian Geyer“ besetzt, in denen er auch den Schlusssatz sprach.

Rainer Hauer würzte sein Kulissengeflüster „Das ist ja so schön peinlich“ am Freitag im Altenzentrum Hospital zur Freude seines Publikums mit zahlreichen Anekdoten, beginnend mit seiner Kindheit in Graz. Ausgerechnet eine Kasperlepuppe war für den damals fünfjährigen Jungen das Schlüsselerlebnis für die Liebe zum Theater.

In seiner Heimatstadt studierte er Germanistik, Sprachwissenschaft und Philosophie und promovierte mit einer Dissertation über die Dramatik Gerhart Hauptmanns. Zusätzlich besuchte er eine Schauspielschule. „Für mich persönlich galt das Ausschließlichkeitsprinzip. Sentimentalität und Peinlichkeit, Stimmungsmache und Anbiederung sind mir zuwider“.

Knapp eineinhalb Stunden plauderte er aus seinem privaten Nähkästchen, seinen Begegnungen mit den Schauspielerinnen Marianne Hoppe und Lola Müthel sowie deren Ehemann, dem Schauspieler Hans Caninenberg.

Marie-Luise Marjahn, die „Mutter Beimer“ aus der Lindenstraße, lernte er kennen und schätzen als Schauspielkollegin im Bochumer Schauspielhaus, wo es auch zur Zusammenarbeit mit den Regisseuren Peter Zadek und Rainer Werner Fassbinder kam.

„Fassbinder ist ein genialer Mann, aber auch er hat Flops produziert“. Die erfolgreiche Kult-Fernsehserie „Acht Stunden sind kein Tag“, in der Rainer Hauer mitwirkte, gehörte jedenfalls nicht dazu. Von 1976 bis 1990 leitete Hauer das Grazer Schauspielhaus und inszenierte dort die umstrittene, aber äußerst erfolgreiche Sprechoper „Aus der Fremde“ von Ernst Jandl.

Hauer erheiterte mit seinen Erinnerungen an die protokollarischen Versäumnisse beim Besuch von Bundespräsident Heinrich Lübke in Bad Hersfeld. Er brachte aber auch bedeutende Schauspieler ins Gespräch, die einen großen Berühmtheitsgrad als Bühnenschauspieler hatten. „Einer der seltenen Schauspieler, die im Fernsehen, Film und Theater gleichermaßen berühmt sind, ist Volker Lechtenbrink.“

Seine Verbundenheit mit den Bad Hersfelder Festspielen, bei denen er von 1999 bis 2002 als Schauspieler agierte, wurde vom Rotary-Club Bad Hersfeld mit einer Ehrung belohnt.

Von Gudrun Schmidl

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