Handwerkskammerpräsident Heinrich Gringel: Hauptschule stärken

Karriere mit Lehre

Ministerpräsident Roland Koch war der Hauptredner des Frühjahrsempfangs von IHK, Handwerkskammer und Landesregierung in der Bad Hersfelder Stadthalle. Im Hintergrund die Musikerinnen und Musiker der GBO-Bigband, die den musikalischen Rahmen setzten.

BAD HERSFELD. „Aus Sicht des Handwerks muss vor allem der Bildungsgang Hauptschule gestärkt werden, damit er auch künftig den Lehrlingsnachwuchs sichert.“ Das hat der Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel (Schwalmstadt), auf dem Frühjahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Handwerkskammer und der Landesregierung am Mittwoch in Bad Hersfeld gefordert. Im Handwerk verfügen knapp 60 Prozent der Auszubildenden über einen Hauptschulabschluss, sagte Gringel.

Mehr Berufsorientierung

Das Handwerk brauche eine deutliche Stärkung der Praxisanteile und der Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen – „jenseits einer bislang ideologisch befrachteten Schulformdebatte“. Zur Debatte um die Mittelstufenschule sagte Gringel, eine neue Schulorganisation sei nur eine Seite der Schulreform: „Bessere Berufsorientierung ist jedoch ein Schlüssel, damit mehr ausbildungsfähige und ausbildungsmotivierte Jugendliche erfolgreich in das Berufsleben starten. Dabei wird das Handwerk auch weiter verlässlicher Partner der Schulen sein.“

Jugendliche gezielt fördern

Ein weiterer Schlüssel liege aus Sicht des Handwerks in der gezielten Förderung persönlicher Defizite. „Sie muss ganz auf den Einzelfall zugeschnitten sein, um Schwächen individuell auszugleichen“, sagte der Handwerkskammerpräsident: „Aus unserer Sicht sollte mit dieser Förderung so früh wie möglich begonnen werden, am besten schon im Kindergarten.“ Das sei der richtige Zeitpunkt, um wichtige soziale Kompetenzen spielerisch zu erwerben. Gringel: „Dazu zählen für mich beispielsweise die Lust am Lernen, die Freude am Erfolg, der Wert von Teamarbeit, aber auch die Fähigkeit, mit Misserfolgen umzugehen.“

Ausbildungsreife

Das Handwerk begrüße den ganzheitlichen Ansatz der Bundesregierung, Schüler in Haupt- und Realschulen gezielt zu fördern und bei ihrem Übergang in die Ausbildung zu unterstützen. Die Feststellung der Stärken und Schwächen schon in der 7. Klasse und eine daran angepasste Förderung sei der richtige Weg, um Jugendliche zur Ausbildungsreife zu führen. Realisieren lasse sich das durch ein bedarfsorientiertes Angebot von Ganztagsschulen im Bildungsgang Hauptschule. So würde auch Raum für mehr Persönlichkeitsbildung und Werteerziehung im Bildungsgang Hauptschule geschaffen, betonte Gringel: „Weiter gilt es, Hauptschülern und ihren Eltern die Chance einer Karriere mit Lehre deutlich und frühzeitig zu vermitteln.“

Fachkräftemangel droht

In der demografischen Entwicklung sieht Gringel sowohl Chancen als auch Risiken. Zu den negativen Auswirkungen zählt er einen möglichen Fachkräftemangel, der im Handwerk schon heute Thema sei und sich wegen der rückläufigen Schulabgängerzahlen verschärfen werde. Deshalb müssten alle jungen Menschen die Schule ausbildungsreif verlassen. Fehlende elementare Rechenfähigkeiten, mangelndes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen sowie geringe Verlässlichkeit zählten immer wieder zu den Schwachpunkten, die einer erfolgreichen Ausbildung im Wege stünden.

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Von Manfred Schaake

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