Beratungsstelle bietet neben Rat in allen Lebenslagen auch praktische Hilfen an

Zu uns kann jeder kommen

Ein Blick in eine der spartanisch eingerichteten Unterkünfte am Wassermannseck. Fotos: Bernert

Bad Hersfeld. Der starke Wind peitscht den Regen gegen den sandfarbenen Flachbau in der Friedloser Straße. Drinnen erstreckt sich ein mintgrüner, langer Flur durch das gesamte Gebäude. An den kahlen Wänden hängt vereinzelt Weihnachtsdekoration.

„Es ist sicherlich keine Luxusunterkunft“, sagt Werner Steidel, Fachbereichsleiter Bürgerdienste bei der Stadt Bad Hersfeld, im Hinblick auf die Notunterkunft. „Aber die neun Zimmer sind mit dem ausgestattet, was man zum Leben braucht.“

Zwei Betten, Toilette, Waschgelegenheit und ein Heizlüfter gehören in jedes Zimmer. Hausmeister Klaus Kremer hat im Vorzimmer seines Büros zudem noch eine Waschmaschine stehen.

Anspruch auf Unterbringung

„Jeder der in Bad Hersfeld obdachlos ist, hat einen Anspruch auf Unterbringung“, erklärt Steidel. Und mit den Notunterkünften komme die Stadt dieser Verpflichtung nach.

Um einen Platz in der Unterkunft zu bekommen, müssen sich die Notleidenden beim Ordnungsamt melden. Dort ist Rainer Michael Lepper für die Obdachlosenangelegenheiten zuständig. Nach einer Prüfung der Situation können die Betroffenen dann in eines der acht Zimmer - ein neuntes ist für polizeiliche Notfälle reserviert.

Spätestens dann wird auch die Fachberatungsstelle für Wohnungslose und Obdachlose hinzugezogen.

Konzentration auf Menschen

„Zu uns kann erstmal jeder kommen“, sagt Annette Hantke, die sich mit Roland Langenberger die Arbeit in der Beratungsstelle teilt. In den Räumen in der Bad Hersfelder Löhrgasse 3 bekommen die Gäste nicht nur einen Kaffee, sondern auch Unterstützung. „Wir konzentrieren uns auf die Menschen als solche und wissen dann, ob und wie wir ihnen helfen können“, erklärt Hantke.

Die Beratungsstelle hat dabei vieles Notwendige direkt vor Ort: Eine Dusche, Kochgelegenheiten, gebrauchte Kleidung, Waschmaschine und Trockner.

In einer Notlage sind jedoch die Kontakte, die die beiden Sozialarbeiter knüpfen können, wichtiger. Dann vermitteln sie die Wohnungs- und Obdachlosen weiter - je nach Bedarf an Ärzte, betreutes Wohnen, an Schuldner- oder Suchtberatungen und zu juristischem Beistand. Hantke: „Wenn jemand längere Zeit bei uns ist, vermitteln wir grundsätzlich an spezielle Beratungsstellen.“

Von Reemt Bernert

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