Bürgermeisterwahl in Bad Hersfeld: DGB-Diskussion über Arbeit und Soziales

Kandidaten auf Kuschelkurs

Die vier Bürgermeisterkandidaten Martin Gröll , Thomas Fehling, Gunter Müller und Hans Wilhelm Saal (von links) im Gespräch mit Moderator Michael Rudolph (Mitte) vom DGB. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Die Lacher auf seiner Seite hatte Abbas Assi, Mitglied des Personalrats der Stadt Bad Hersfeld. Er prophezeite nämlich dem Bürgermeisterkandidaten Hans-Wilhelm Saal, der werde bei Realisierung seines Vorhabens, die Stadtverwaltung im alten Telekom-Gebäude in der Breitenstraße zu konzentrieren, nicht mehr viel zu sagen haben. Denn in der zum Verkauf stehenden Immobilie ist auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zuhause, der die Bewerber für die Wahl am 7. November am Montagabend zur Diskussion über Arbeit, Wirtschaft und Soziales gebeten hatte.

Der allgemeinen Heiterkeit über eine hausinterne Allianz von Personalrat und DGB war ein zweistündiger Gedankenaustausch vorausgegangen, in dem sich vier der fünf Kandidaten (Michael Kreher hatte wegen eines Trauerfalls in der Familie kurzfristig abgesagt) zumeist auf Kuschelkurs befanden. Denn über die Bedeutung von Bildungsangeboten, dem Bemühen um auskömmliche Arbeitsplätze sowie eine ausreichende personelle Ausstattung der Verwaltung waren sich Thomas Fehling (FDP), Martin Gröll (parteilos), Gunter Müller (SPD) und Hans Wilhelm Saal (unabhängig) in den Grundzügen genauso einig wie über die Unverzichtbarkeit von ehrenamtlicher und Vereinsarbeit.

Unterschiede wurden allenfalls in den Details deutlich: Martin Grölls Bekenntnis zu mehr Bürgerbeteiligung bis hin zum Bürgerhaushalt fand bei den drei Mitbewerbern ein eher zurückhaltendes Echo wie auch die Rathaus-Pläne von Hans Wilhelm Saal bei den anderen nicht unbedingt Priorität genießen. Während Thomas Fehling auf seinen „Masterplan“ verwies, der seiner Ansicht nach der Unwirksamkeit alter Rezepte neue Ideen entgegensetzt, warnte Gunter Müller vor allzu wolkigen Versprechungen. So plädierte er in punkto Bildung für erste Ansätze bereits im Kleinkindalter. Auch die Entwicklung des Gesundheitsstandortes Bad Hersfeld beurteilte er angesichts der starken Konkurrenz eher vorsichtig.

Thomas Fehling versprach einen neuen Umgangston in der Verwaltung („Ich bin kein Freund von Strafversetzungen“), Hans Wilhelm Saal eine Aufrüstung beim schnellen Internet, und einig war er sich mit Gröll und Müller, dass den örtlichen Stadtwerken sowohl beim Aufbau „intelligenter Netze“ wie beim Ausbau regenerativer Energien künftig eine noch bedeutendere Rolle zukommt.

Keine Sorge hatten alle vier Kandidaten, dass sie im Stadtparlament keinen Rückhalt finden könnten: „Ich schaffe mir meine Mehrheiten“, sagte Martin Gröll, „Ich gehe auf die Fraktionen zu“ Thomas Fehling. Hans Wilhelm Saal verwies auf seine guten Kontakte in alle Richtungen, und SPD-Mann Gunter Müller erklärte, auch die anderen Fraktionen „mitnehmen“ zu wollen.

Morgen findet ab 19.30 Uhr in der Stadthalle die große Diskussionsrunde unserer Zeitung mit allen Kandidaten statt.

Von Karl Schönholtz

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