Kandidat dringend gesucht

Christine Zacharias

Weitgehend unvorbereitet traf die Ankündigung Hartmut H. Boehmers, zum 31. August aus dem Amt zu scheiden, kurz vor Ostern die Bad Hersfelder Kommunalpolitik. Nur einer wagte sich bisher aus der Deckung und kündigte an, seinen Hut noch einmal in den Ring werfen zu wollen: Thomas Fehling von der FDP. Er war 2007 schon einmal gegen Boehmer angetreten und hatte mit 22,9 Prozent der Stimmen ein achtbares Ergebnis eingefahren. Platz zwei hinter dem Sieger. Seitdem war es aber um den streitbaren Freien Demokraten relativ ruhig geworden. Von all den Wohltaten, die er seiner Heimatstadt angedeihen lassen wollte, ist bislang nichts zu sehen. Aber schließlich ist Fehling auch nicht Bürgermeister geworden. Da blieben nur die Mühen der Opposition. Bleibt abzuwarten, wie er sich dieses Mal schlagen wird und ob er die Wahlversprechen, die er sicher wieder machen wird, dann einlösen kann (und will).

Mit einem Kandidaten ist die CDU noch nicht an die Öffentlichkeit getreten, wohl aber mit einem Vorschlag für den Wahltermin. Die Bürgermeisterwahl solle an die Kommunalwahl im März 2011 gekoppelt werden, regten die Christdemokraten an. Nur so hätten Bewerber um das einflussreiche Amt ausreichend Zeit, sich und ihr Programm den Wählerinnen und Wählern vorzustellen. Kosten sparen könnte man außerdem, so die CDU, weil nicht zwei Wahlen ausgerichtet werden müssten. Im März wäre allerdings auch der letztmögliche von der Hessischen Gemeindeordnung vorgesehene Wahltermin.

Der Vorschlag ist nicht ohne Hintergedanken. Offensichtlich kann die CDU ebensowenig einen Bürgermeisterkandidaten aus dem Hut zaubern wie die SPD. Und ob die CDU gut beraten ist, noch einmal Hans-Wilhelm Saal ins Rennen zu schicken, der nicht nur dem übermächtigen Boehmer unterlag, sondern auch mit 20,2 Prozent der Stimmen schlechter abschnitt als Thomas Fehling, das sei dahingestellt.

Nachösterliche Ruhe herrscht dagegen bei der SPD. Bei der vergangenen Wahl hatten sich die Sozialdemokraten fein herausgehalten. Schließlich war der parteilose Boehmer trotz aller Differenzen, die es immer wieder gab, der Kandidat ihrer Wahl, da mussten sie sich nicht selbst ins Zeug legen. Nun kocht die Gerüchteküche, allerdings mehr mit Dementis als mit aussichtsreichen Bewerbern. Sollte tatsächlich erst im nächsten Jahr gewählt werden, hätten auch die Sozialdemokraten noch ein wenig Zeit, um aus der Deckung zu kommen. Bei einer Bürgermeisterwahl noch im August wäre allerdings Eile geboten.

Offen ist zudem die Frage, ob ein SPD-Kandidat oder eine -Kandidatin dann tatsächlich mit einem Strippenzieher hinter den Kulissen in der Stadtentwicklungsgesellschaft und bei den Wirtschaftsbetrieben arbeiten wollte. Es bleibt spannend!

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