Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel präsentierte „Loriots gesammelte Werke“

Der Kampf mit der Roulade

Ein Herr (Guido Thurk) kämpft mit seiner Rindsroulade.

Bad Hersfeld. Wer kennt sie nicht aus dem Fernsehen, die Sketche und kleinen Dramen von und mit Victor von Bülow alias Loriot und der unvergessenen Evelyn Hamann, in denen Kleinkariertheit auf Tollpatschigkeit trifft?

Wer hat nicht mit Lottokönig Erwin Lindemann mitgelitten, wenn dieser vor laufender Kamera seinen Text völlig durcheinander bringt, schließlich sogar seinen Namen vergisst und irgendwann mit dem Papst in Wuppertal eine Boutique eröffnen will? Wer hat noch nicht herzhaft gelacht über Herrn Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner, die – stets unter Wahrung der Etikette – so herrlich („Die Ente bleibt draußen!“) in der Badewanne streiten?

Diese und viele andere Szenen aus der Feder von Loriot brachte das sechsköpfige Ensemble des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel in einer gelungenen Inszenierung von Gerd Becker in äußerst kurzweiliger Form auf die Bühne der Bad Hersfelder Stadthalle. Dass das Programm manchmal knapp an der Grenze zum Klamauk vorbeischrammte, störte nicht wirklich, da das Ensemble immer noch rechtzeitig die Kurve bekam. Mit Klassikern wie dem Jodelkurs, in dem Dr. Vogler den „Erzherzog-Johann-Jodler“ erklärt („Dodeldidü ist Futurum 2“) oder dem eskalierenden Streit um den Kosakenzipfel eroberten die Schauspieler schnell die Herzen der Zuschauer.

Zum Schmunzeln angeregt

Szenen wie die mit dem Ehepaar in Bademantel und Lockenwicklern, das in ein defektes Fernsehgerät starrt („Ich lasse mir von einem kaputten Fernseher nicht vorschreiben, wohin ich zu gucken habe.“) oder mit Hermann, der zum Feierabend einfach nur da sitzen will, aber von seiner Frau ständig mit Vorschlägen zu irgendwelchen Aktivitäten genervt wird, ließen den Muff der 70er Jahre wieder aufleben und regten zumindest zum Schmunzeln an. Vielleicht hat sich auch der eine oder andere unter den Zuschauern ein Stück weit wiedererkannt.

Beinahe artistische Slapstick-Einlagen, in denen z.B. der verklemmte Herr Direktor Metzler seiner ältlichen Sekretärin Fräulein Dinkel an die Wäsche will oder ein Herr im Restaurant mit dem schier endlosen Faden seiner Rindsroulade kämpft, lösten im Publikum wahre Lachsalven aus.

Großen Anteil am Erfolg der Aufführung hatte neben der Bühnentechnik, die mittels einer Drehbühne die rasend schnellen Umbauten für die einzelnen Sketche überhaupt erst möglich machte, auch die liebevolle Ausstattung, die bis hin zur Fahrradklammer am Hosenbein die „Modesünden“ der Spießbürger detailgetreu und treffend widerspiegelte. Daher sehr sympathisch, dass auch alle Akteure, die für den Zuschauer unsichtbar hinter der Bühne arbeiteten, zum Schlussapplaus mit nach vorne auf die Bühne kamen. Ein Beispiel, das durchaus Schule machen darf.

Dem Publikum hat’s großen Spaß gemacht, dem Ensemble nach eigenem Bekunden auch, und das hat man gemerkt. Insgesamt ein vergnüglicher, sehr gelungener Abend; die gut zwei Stunden „Best of Loriot“ vergingen wie im Fluge. Dafür gab’s dann auch lang anhaltenden Schlussapplaus.

Von Thomas Landsiedel

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