Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans besucht AHG Klinik Wigbertshöhe

Im Kampf gegen die Sucht

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans aus Kassel (2.v.r.), informierte sich in Bad Hersfeld über die Behandlungskonzepte der AHG Kliniken Wigbertshöhe und Richelsdorf bei Chefärztin Heike Hinz, AHG-Vorstandsmitglied Rudi Schäfer und Verwaltungsdirektor Martin Manns (v.l.). Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Das Blinken der vielen bunten Lichter, das hektische Rattern des Automaten, die Geräusche, mit der die Maschine einen Gewinn verkündet – all das verfolgt Holger F. (Name von der Redaktion geändert) bis in den Schlaf. Holger F. ist glückspielsüchtig und zurzeit Patient in der AHG Klinik Wigbertshöhe in Bad Hersfeld. Gemeinsam mit einigen Mitpatienten berichtet er Mechthild Dyckmans, der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, von seinen Erfahrungen.

Es gibt Dinge, die kann man sich nicht anlesen. Deshalb ist es der aus Kassel stammenden Drogenbeauftragten ein Anliegen, möglichst oft mit Suchtkranken ins Gespräch zu kommen. Dazu besucht sie Kliniken, wie gestern die Wigbertshöhe, aber auch Spielhallen, Arztpraxen oder Beratungsstellen – Orte eben, an denen sie mit Süchtigen und denen, sie sich um sie kümmern, sprechen kann.

50 Euro schluckt ein Spielautomat in einer halben Stunde, berichtet einer der Patienten. Wer der Faszination des Automatenspiels erlegen ist, hat da innerhalb von wenigen Tagen sein Einkommen verspielt, fängt an, sich Geld zu leihen oder es sich illegal zu besorgen, um immer wieder den besonderen Kick vor dem Automaten zu erleben.

Zeitbegrenzungen sinnlos

Zeitbegrenzungen in den Automaten, die sich abschlaten, wenn sie eine bestimmte Frist lang bespielt worden sind, helfen da wenig. „Da wird man nur noch aggressiver und geht an einen anderen Automaten“, sagen die Patienten übereinstimmend.

Sinnvoller wäre es, davon ist Dr. Heike Hinz, Chefärztin der AHG Kliniken Wigbertshöhe und Richelsdorf, überzeugt, die Laufzeiten der einzelnen Spiele zu verlängern und die Gewinnmöglichkeiten zu reduzieren. Sinnvoll wären auch Kontrollen am Eingang, damit Spielsüchtige oder Suchtgefährdete so wie in Spielbanken schon üblich auch in Spielhallen gesperrt werden könnten, sagen die Patienten.

Doch es gibt viele und machtvolle Interessen, die einem wirkungsvollen Schutz vor Spielsucht entgegenstehen. Denn sowohl Spielhallenbetreiber als auch der Staat verdienen kräftig daran, wenn ein Fünfziger nach dem anderen im Automaten verschwindet, der nur selten einen Gewinn ausspuckt.

Gesetzgebung Ländersache

Zusätzlich erschwert wird ein konsequentes Vorgehen gegen Spielsucht dadurch, dass die Gesetzgebung für Spielhallen Ländersache ist. Mechthild Dyckmans muss also immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen vorsprechen und auf die Suchtgefahren und die damit verbundenen Kosten hinweisen.

Mit großem Interesse informierte Dyckmans sich auch über die anderen Behandlungsangebote der Kliniken Richelsdorf und Wigbertshöhe. So gibt es in Richelsdorf eine eigene Gruppe für Alkoholabhängige Jugendliche ab 16 Jahren. Sowohl Alkohol- als auch Cannabisabhängige werden immer jünger, hat Chefärztin Hinz beobachtet. Meist würden von jungen Leuten auch beide Substanzen konsumiert.

Die Wigbertshöhe hat sich dagegen auf Suchtkranke der Altersgruppe 50 plus spezialisiert, die früher oft gar nicht mehr behandelt wurden.

Von AHG-Vorstandsmitglied Rudi Schäfer erfuhr Dyckmans, die die Allgemeine Hospitalgesellschaft der größte Klinikträger für Suchterkrankungen in Deutschland ist.

Mit ihren Gesprächspartnern war sie sich über die Bedeutung von Rehabilitation und Prävention einig.

Von Christine Zacharias

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