Kalte Heimat

Kai A. Struthoff

Alle reden vom Wetter – wir auch. Ein wenig anders hatte ich mir die Rückkehr aus wärmeren, südlichen Gefilden schon vorgestellt. Mir war ganz schön mulmig, als unser Flugzeug mitten im Schneesturm als eine der wenigen Maschinen in Frankfurt landeten. Daisy begrüßte uns gleich mit kalter Umarmung, und ich musste uns erstmal den Weg ins Haus freischaufeln. Gewiss, all das ist keine Katastrophe – man nennt es Winter.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass das Wetter uns diesmal besonders kalt erwischt hat. Auch Tage nach den Schneefällen sind viele Nebenstraßen noch nicht geräumt, manche Steigungsstrecke ist immer noch arg rutschig, und ich bin froh um meinen Vierradantrieb.

Es ist kalt in Deutschland – und das nicht nur wettermäßig. Immer, wenn man aus dem Ausland nach Hause kommt, fällt einem auf, wie unfreundlich wir Deutschen miteinander umgehen. Da wird geblafft, gepöbelt und gerüpelt, ob auf der Straße oder im Supermarkt. Den Amerikanern wird immer vorgeworfen, sie seien so schrecklich oberflächlich. Aber nett ist es schon, wenn man von der Kellnerin als „Darling“ oder „Honey“ bezeichnet wird, oder wenn jemand fragt, wie es einem geht. Und auch das Lächeln haben die Amerikaner noch nicht verlernt. Hier indes reicht es oft kaum zu einer Entschuldigung, wenn man angerempelt wird.

Auch in Sachen Service könnten wir uns von den USA einiges abgucken. So ist es dort in Supermärkten ganz normal, dass einem die Einkäufe eingepackt werden. Selbstverständlich wird gefragt, ob man Hilfe beim Tragen braucht – übrigens ohne Trinkgeld. Kaffee, Eistee oder Limonade werden kostenlos nachgefüllt, und irgendwie scheint auch das Schlangestehen in den USA ohne Ellenbogen zu funktionerien.

„Amerika, du hast es besser“, seufzte schon Dichterfürst Goethe – und manchmal glaub’ ich das auch!

struthoff@hersfelder-zeitung.de

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