Ludwigsau: Missverständnis bei „Pflegemaßnahmen“ führt zu Fiasko im Schutzgebiet

Kahlschlag an der Fulda

Pflegemaßnahmen mit fatalen Folgen: Nach den Arbeiten im Schutzgebiet an der Fuldaaue sind von vielen Bäumen und Sträuchern nur Stümpfe übriggeblieben. Vogelschützer sehen das Gebiet auf viele Jahre als erheblich beeinträchtigt an. Fotos: Wilfried Apel

MECKLAR. In einem der wertvollsten Rastbiotope für Wasservögel weit und breit wurde kräftig abgeholzt. Wie Bürgermeister Thomas Baumann jetzt der Gemeindevertretung Ludwigsau mitteilte, seien bei „Pflegemaßnahmen“ am Ufer der Fulda in der Gemarkung Mecklar zwischen der Fuldamühle Claus und der alten Fuldabrücke „nicht genehmigungsfähige sowie verbotene Beseitigungen von Ufergehölzen vorgenommen worden“.

Auftraggeber war der Gemeindevorstand, Auftragnehmer ein Unternehmen, das die Arbeiten an ein ebenfalls nicht näher bezeichnetes Subunternehmen weitervergeben hatte.

Wie in Mecklar hinter vorgehaltener Hand erzählt wird, sollte eigentlich in dem Natura-2000-Gebiet etwa alle 50 Meter ein Baum entfernt werden. Jetzt steht nur noch etwa alle 50 Meter ein Baum. Auch sämtlicher Bodenbewuchs ist entfernt worden. Von anderer Seite hört man allerdings auch, dass „nur ein paar Äste“ entfernt werden sollten.

Wer für das „Missverständnis“ verantwortlich ist, ist unklar, denn im Vorfeld waren neben dem Gemeindevorstand auch die Untere und Obere Naturschutzbehörde eingebunden, wie Bürgermeister Baumann betonte. Arno Werner aus Bebra, Vogelbeobachter und ausgewiesener Kenner der Mecklarer Brut- und Rastplätze, äußerte sich bestürzt: „Der ökologische Zustand dieses für rastende Wasservögel ungemein bedeutenden Fuldaabschnitts wird etwa 20 Jahre lang erheblich beeinträchtigt sein.“

Der Kreisausschuss hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, in dem sich die Gemeinde Ludwigsau als „in Teilen verantwortlich“ bezeichnet hat. Gegenüber unserer Zeitung betonte der in Mecklar wohnende Bürgermeister, dass die Arbeit „nicht in der ausgeführten Form beauftragt“ worden sei. Kreis-Pressesprecher Michael Adam hielt sich auf Anfrage bedeckt. Er erklärte, dass die ungenehmigte Beseitigung des Ufergehölzes in einem Bereich erfolgt sei, der im Landschafts-, FFH- und Vogelschutzgebiet liege.

Seitens der Unteren Naturschutzbehörde sei nach Bekanntwerden des Eingriffs ein Wiederherstellungsverfahren nach dem Bundesnaturschutzgesetz eingeleitet worden. Das Anhörungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen, sodass keine weiteren Aussagen getroffen werden könnten.

Demgegenüber erklärte Bürgermeister Baumann am Montag, dass sich der Gemeindevorstand zu einem bereits ausgeführten Ausgleich bereiterklärt habe. Darüber hinaus sei mit dem Landkreis vereinbart worden, für weitere Kompensationen auf gemeindlichen Grundstücken zu sorgen.

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