Sparkassenstiftungen ermöglichen Druck von Arthur Schopenhauers Nachlassnotizen

Kärrner der Philosophie

Neues Buch mit Arthur Schopenhauers Nachlassnotizen: (von links): Reinhard Faulstich, Dr. Thomas Wurzel, der ehemalige Leiter des Dresdner Schopenhauer-Archivs Jochen Stollberg, Dr. Anke Brumloop, Dr. Ernst Ziegler und Dr. Manfred Wagner. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Fast scheint es, als ginge einer der bedeutendsten Philosophen des 19. Jahrhunderts nicht in Frankfurt, sondern in der Lullusstadt mit seinem Hund spazieren. Beim Anblick einer Ablichtung einer leicht vergilbten Seite seines „Handschriftlichen Nachlasses“ kommt es einem so vor, als hätte er gerade einen neuen Gedanken zu Papier gebracht. Mitten hinein in sein mitunter ungeordnetes, schwer lesbares Gebäude von Gedanken und Anschauungen.

So nahe bringen einem im Sitzungszimmer der Bad Hersfelder Sparkasse drei von Arthur Schopenhauer Begeisterte den 1833 nach Frankfurt gezogenen großen deutschen Denker. Es sind dies der ehemalige Archivar der schweizerischen Stadt St. Gallen, der Historiker Dr. Ernst Ziegler, der „mit schier unglaublicher Akribie, Kunst und Hartnäckigkeit“ in jahrelanger Arbeit „als Kärrner der Philosophie“ Manuskripte von Schopenhauers Nachlassnotizen in neue Schrift übertragen und mit der Urschrift verglichen („transkribiert und kollationiert“) hat.

Des Weiteren die geisteswissenschaftlich ambitionierte Veterinärmedizinerin Dr. Anke Brumloop und der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, Dr. Manfred Wagner, die ihn bei diesem Großprojekt maßgeblich unterstützt und begleitet haben und die dies bis heute tun. Brumloop bei der computermäßigen Erfassung und Herrichtung der Texte und Anmerkungen und der schon lange als Schopenhauer-Bewunderer und Begründer der Bad Hersfelder Schopenhauer-Stiftung bekannte Wagner bei der Sicherstellung der Finanzierung des Drucks der Nachlassnotizen.

„Das Leben ist eine missliche Sache, ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken.“

Arthur Schopenhauer

Allesamt sind sie zusammengekommen, um sich beim Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Dr. Thomas Wurzel, und beim ersten Mann der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, Reinhard Faulstich, anlässlich des Erscheinens des zweiten Bandes der Nachlassnotizen für deren großzügige Unterstützung bei der Herausgabe des zweiten und auch des dritten Bandes zu bedanken.

Dr. Wagner berichtet, wie schwierig es war und ist, Manuskriptseiten, in die immer wieder hineingeschrieben wurde und auf denen sich überall Querverweise und Hinweise auf alle möglichen Quellen befinden, inhaltlich aufzubereiten und für den Druck vorzubereiten.

Dr. Wurzel erinnert an das Wirken der Hersfelder Mönche und hebt hervor, dass das von Dr. Ziegler nach den „Senilia“ [Gedanken im Alter] und „Spicilegia“ [Ährenlese] zuletzt er- und bearbeitete Gedankenhandbuch „Pandectae“ [Allumfassendes] eine weitere „Leistung par excellence“ sei.

Faulstich zeigt sich beeindruckt von der Vorgehensweise und darüber, dass in einem Jahr in Tausenden von Arbeitsstunden weitere von Dr. Ziegler und Dr. Brumloop erarbeitete Nachlassnotizen vorliegen. Kurzum: Die Fachwelt darf sich glücklich schätzen und die Sparkassenstiftungen haben einmal mehr Gutes getan.

Von Wilfried Apel

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