Ruinenfreunde geben Einblick ins Festspiel-Familienstück Don Quijote

Kämpfer für Menschlichkeit

Gab Einblicke in die Entstehungszeit von Don Quijote: Studienrätin Ulrike Nitzsche. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Ein Kämpfer für menschliche Ideale, der als Preis für seinen Einsatz den Spott seiner Mitmenschen erntet – so charakterisierte Studienrätin Ulrike Nitzsche am Mittwochabend in ihrem Fazit die Romanfigur des Don Quijote. Die Geschichte vom Ritter von der traurigen Gestalt soll in diesem Jahr als Familienstück bei den Bad Hersfelder Festspielen auf die Bühne der Stiftsruine gebracht werden.

Gattung Roman begründet

Bei gutem Publikumszuspruch hatten Nitzsche und Festspielintendant Holk Freytag Einblicke in die Handlung und in das Leben des Autors Miguel de Cervantes Saavedra und Hintergrundinformationen zur Entstehung des Werkes gegeben, welches die Gattung des Romanes erst begründet hat. Veranstaltet wurde der Vortrag von der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine, Cervantes (1547 – 1616) entstammte einer verarmten spanischen Adelsfamilie, trat in die spanische Marine ein und wurde als Sklave nach Algier verschleppt. In Quijotes Begegnung mit den Galeerensklaven hat er diese Erfahrungen verarbeitet. Nach dem Freikauf war Cervantes erneut Soldat, verdingte sich später als Schriftsteller. Wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern saß er 1597/98 im Gefängnis von Sevilla in Untersuchungshaft. Dort entstand auch der erste Teil des Don Quijote.

Parodie auf Ritterroman

Das Werk gilt zugleich als Parodie der in dieser Zeit so beliebten Helden- und Ritterromane. Diese faszinieren Quijote so, dass er selbst Ritter sein möchte. Dabei zeichnet sich das Werk durch Doppeldeutigkeiten und Sprachwitz aus. So lässt sich der Name des Pferdes Rosinante „früher ein gewöhnlicher Gaul, jetzt vorweggehend“ übersetzen. Zentrales Motiv ist die Freundschaft zwischen Quijote und seinem Stallmeister Sancho Pansa. Obwohl er oft die Torheiten seines Herrn erkennt, hält er ihm dennoch die Treue. Die wohl bekannteste Episode, Quijotes sprichwörtlicher Kampf gegen Windmühlen, sei im Roman vergleichsweise knapp abgehandelt, berichtete Nitzsche.

In Filmen oder Inszenierungen werde sie jedoch effektvoll in Szene gesetzt. Für alle diese und andere Torheiten findet der Ritter eine für ihn schlüssige Erklärung: Ein Zauberer habe die Riesen in Windmühlen verwandelt.

Ode an die Freundschaft

Für Holk Freytag ist Quijote eine Ode an die Freundschaft und das Familienstück zugleich „fast der wichtigste Aspekt der Festspiele. Gehe es doch darum, den Kindern Werte zu vermitteln, um für morgen und eine bessere Welt zu arbeiten.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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