250 Dinge, die wir an der Region mögen (28): Die Kirche zu Hatterode

Juwel im Jossatal

Die kuschelige Kirche im Dorfzentrum von Hatterode wurde zwischen 2003 und 2007 umfassend saniert. Fotos: Urban

BREITENBACH/H. Klein aber fein und in jeder Beziehung besonders ist das Gotteshaus im Breitenbacher Ortsteil Hatterode. Notizen, die der inzwischen verstorbene Gehauer Andreas Vaupel aus Kirchenbüchern, Chroniken und dem Staatsarchiv zusammengetragen hat, wecken ihre Geschichte. Die Geschichte der ältesten Kirche des Jossatals, die die Reformation erlebte, in deren Folge wuchs und noch heute, in Zeiten zunehmender Kirchenskepsis, lebendig ist.

Selbstbewusst und ein bisschen trotzig steht die kleine Kirche etwas erhöht mitten im Dorf. So, als müsse sie sich im Grenzgebiet zwischen Grebenau und Breitenbach „gegen die Großen“ behaupten. Und vielleicht ist es genau das, was die Hatteröder und ihre Kirche über die Jahrhunderte so eng aneinander bindet.

Als die kleine Totenkirche zwischen 1450 und 1490 gebaut wurde, bestattete man die Toten aus Hatterode noch in Grebenau. Und auch um Predigten zu hören, mussten die Hatteröder in ihre damalige Mutterkirche. Breitenbach bekam erst 1502 eine eigene Pfarrei. Der katholische Priester Konrad Scharf führte die Gemeinde 1523 als erstes Kirchspiel der Landgrafschaft in den reformierten Glauben und um 1530 wurde Hatterode in Breitenbach eingepfarrt.

Emporlauben für die Männer

Etwa hundert Jahre später verwandelte sich die Toten- in eine Gottesdienstkirche. Auf der größeren der beiden Glocken steht: „Sigmund Arnold aus Fulda gos mich 1622“. Die kleinere aus 1956 trägt die Inschrift: „Lasset Euch versöhnen.“ Seit 1626 hat die Kirche eine Uhr, 1657 wurden Bänke angeschafft und 1667 das Chorgestühl. Als sie dennoch kurz darauf zu klein wurde, legte man „Emporlauben“ als Sitzplätze für die Männer an. Pfarrbank, Altar, Taufbecken sowie zwei Abendmahlskannen kamen 1719 hinzu und 1750 erhielt Hatterode die Rechte einer Filialgemeinde mit Anspruch auf Austeilung der Sakramente in der eigenen Kirche.

Zwar mussten die Hatteröder noch ohne Orgel auskommen, aber als zweitgrößte Gemeinde des Kirchspiels konnten sie die Kosten des Gottesdienstes selbst bestreiten. Eine Orgel wird 1787 erstmals erwähnt, die heutige Orgel baute Heinrich Moeller aus Rotenburg an der Fulda 1903.

Über all die Jahrhunderte hat die Hatteröder Kirche sowohl große Teile ihres Originalzustands behalten, als auch ihren Platz im Herzen des Dorfes und der Menschen. Bei den Renovierungsarbeiten zwischen 2003 und 2007 wurden Dach- und Turmkonstruktion, Giebelverschieferung, Gefache und das Mauerwerk ausgebessert. Die gut 500 Jahre alte Dachkonstruktion blieb weitgehend erhalten und der Turm bekam seine ursprüngliche Form mit Turmgesims zurück. In der dicken Kugel unter der restaurierten Wetterfahne liegen für die Nachwelt eine inzwischen (fast) zehn Jahre alte Tageszeitung, ein detaillierter Baubericht sowie eine kleine Summe Euro.

Im Kircheninnern laden helle, warme Farben und eine schlichte, freundliche Ausstattung zum Eintreten und Bleiben ein. Im Scheitelbereich der beiden Südfenster schauen Engelsköpfchen aus einem Rankenwerk. Der Grabstein für ein 10-jähriges Mädchen aus 1761 und die barocke Fensterverzierung erinnern an die große Zeit der kleinen Kirche. Dass letztere wieder zu sehen ist, ist nicht zuletzt den Hatterödern zu verdanken, die die Restaurierung mit Geldspenden unterstützten und die Arbeiten an ihrem Juwel ungeduldig verfolgten.

Von Dagmar Urban

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