Wochenendporträt

Juso-Kreisvorsitzende Anisa Tiza Mimun: Es geht um eine Haltung

Die Juso-Kreisvorsitzende Anisa Tiza Mimun beschäftigt sich zurzeit in der Bundeszentrentrale von Verdi in Berlin mit der Regulierung von Finanzmärkten. Foto: Schönholtz

Berlin / Bad Hersfeld. Wer etwas verändern will, der kann es auch. Dieser Satz stammt ursprünglich bestimmt nicht von Anisa Tiza Mimun. Doch die 23-Jährige aus Bad Hersfeld ist von dessen Richtigkeit überzeugt und nimmt ihn deshalb ganz selbstverständlich in den Mund.

Mimun ist seit Januar dieses Jahres die Vorsitzende der Jungsozialisten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. In der Mitgliederkartei tummeln sich trotz grassierender Politkmüdigkeit noch zahlreiche Namen, doch aktive Mitstreiter? Zehn bis zwölf, sagt Mimun und fügt hinzu: „Wenn ich minimal pessimistischer wäre, müsste ich aufhören.“

Die Eltern als Vorbilder

Das ist sie aber nicht, siehe den ersten Satz ganz oben. Vielmehr verkörpert die Studentin der Wirtschaftswissenschaften eine Grund- und Lebenshaltung, die heutzutage ungewöhnlich erscheint.

Zur Person 

Anisa Tiza Mimun (23) ist Spanierin mit marokkanischem Hintergrund und kam mit drei Jahren nach Deutschland. Sie besuchte in Bad Hersfeld die Lingg-Schule, die Gesamtschule Geistal und die Modellschule Obersberg, wo sie ihr Abitur ablegte. Momentan studiert sie in Frankfurt/M. Wirtschaftswissenschaften. Vor vier Jahren trat sie den Jungsozialisten bei, ist seit Januar 2016 deren Vorsitzende im Kreis Hersfeld-Rotenburg und sitzt seit der Kommunalwahl für die SPD in der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung. (ks)

Vorbilder der jungen Frau, die aus einer Arbeiterfamilie stammt, sind nämlich ihre Eltern, besonders der Vater. Dessen Sinn für Gerechtigkeit hat die Tochter früh verinnerlicht und gepaart mit ihrem politischen Interesse zur eigenen Maxime erhoben. „Ich habe zudem großen Wert auf Bildung gelegt“, sagt sie und verweist dabei erneut auf die Unterstützung durch das Elternhaus. Sie ist dabei auch selbstbewusst genug, mit ihrer islamischen Erziehung offen umzugehen, und unbeholfene Bemerkungen, sie spreche doch sehr gut deutsch, einfach wegzulächeln. Mit diesem Rüstzeug stürzt sich Anisa Tiza Mimun nun in das „richtige Leben“ und blickt dabei über den Bad Hersfelder Tellerrand hinaus. Das Studium in Frankfurt und momentan ein Praktikum in der Bundeszentrale von Verdi in Berlin, wo sie sich mit der Regulierung der Finanzmärkte beschäftigt, spielen dabei genauso eine Rolle wie ihre politische Arbeit in der Heimat. Dort ist sie durchaus präsent: Sie war eines der prägenden Gesicher auf den Wahlplakaten, sitzt jetzt in der größten Fraktion des Stadtparlaments, im Sozialausschuss und im Aufsichtsrat des „wortreichs“ und meldet sich dort auch vernehmbar zu Wort.

„Ich würde mich freuen, wenn sich mehr junge Leute politisch engagieren,“ ermunter Anisa Tiza Mimun zum Mitmachen und Einmischen und bekräftigt: „Es geht um eine Haltung.“

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