Jury-Qualen, Sorgen und die Grenze der Freiheit

Kai A. Struthoff

Langsam sinkt das Festspielfieber wieder etwas, und der Puls beruhigt sich. Die wichtigen Premieren in der Stiftsruine sind gut über die Bühne gegangen, und wir haben großartiges, wenn auch sehr unterschiedliches Theater gesehen. Eine „Hexenjagd“, die an Dramatik und dabei auch Aktualität kaum zu überbieten ist, „Krabat“ als anrührendes Familienstück über die Macht der Liebe und der Freundschaft und „My Fair Lady“ – ein Stück bei dem wohl kaum einer die Füße ruhig halten kann.

In allen Stücken haben wir hervorragende Schauspieler gesehen, und ich bin deshalb ganz froh, dass ich in diesem Jahr nicht die Qual der Wahl in der Jury des Hersfeld-Preises habe. Ich hätte wohl allen Darstellern einen Preis gegeben – aber so einfach dürfen es sich meine Kollegen nicht machen. Ich bin aber sicher, dass sie eine gute Wahl getroffen haben. Morgen, ab 11 Uhr in der Stiftsruine, wissen wir mehr.

Gewählt worden ist auch Daniel Illiev, der sympathische junge Bürgermeister von Heringen, dem ich in der vergangenen Woche gemeinsam mit meinem Kollegen Jan-Christoph Eisenberg einen Antrittsbesuch im Rathaus abgestattet habe. Der jungenhafte Charme des gebürtigen Heringers ist ansteckend und wird ihm hoffentlich bei seinen schweren Aufgaben helfen. Das Werratal geht durch harte Zeiten. Die Krise bei K+S trifft jetzt auch die öffentlichen Haushalte. Die Gewerbesteuerrückgänge sind dramatisch. Vielleicht wird jetzt auch dem letzten Zweifler bewusst, wie wichtig K+S für unsere Region ist. Und vielleicht dringt dieses Bewusstsein auch so langsam zu den Entscheidern in Kassel und Wiesbaden durch. Hier wartet eine ganze Region mit bangem Herzen darauf, wie es bei K+S weitergeht. Wir brauchen endlich Gewissheit!

Während gestern ganz Hessen in die Schulferien ging, geht ein ganz besonderer Pädagoge in den Ruhestand. Volker Bausch, der Direktor der Gedenkstätte Point Alpha, wurde gestern in den Ruhestand verabschiedet. Bausch, der eigentlich Lehrer ist und viele Jahre an deutschen Auslandsschulen arbeitete, hat auf Point Alpha vor allem ein enges Band zu den Amerikanern geknüpft, die ihren Dienst an der „Freedom Frontier“, der Grenze der Freiheit“, abgeleistet haben. Auch für mich als West-Berliner hat diese Gedenkstätte ein ganz besonderer Platz, denn obwohl der Eiserne Vorhang seit vielen Jahren gefallen ist, so gilt es doch, jeden Tag Freiheit und Demokratie aufs Neue zu verteidigen – das macht der furchtbare Anschlag in Nizza mal wieder schrecklich deutlich.

Ich freue mich deshalb sehr, dass mit Ricarda Steinbach auch eine Berlinerin neue Direktorin auf Point Alpha wird. Ihre Aufgabe wird es sein, die Erinnerung wach zu halten, aber auch den Blick in die Zukunft zu richten. Ein Interview mit Steinbach lesen Sie in der kommenden Woche. Im November darf ich gemeinsam mit einer Klasse der Geistalschule wieder am Projekttag auf Point Alpha teilnehmen – für mich ein Höhepunkt des Jahres.

Jetzt sind aber erstmal Ferien. Genießen Sie die freie Zeit – und schicken Sie uns Ihr Urlaubsfoto mit HZ. Wenn Sie unsere Zeitung in die schönsten Wochen des Jahres mitnehmen, dann ist das für uns Daheimgebliebene auch ein Stück Urlaub.

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