Sternenforscher Kurt Tiede aus Ludwigsau-Tann nimmt den hellsten Stern in den Sucher

Jupiter leuchtet am östlichen Himmel

Abenddämmerung in Tann mit Jupiter und seinen vier Monden, aufgenommen von Kurt Tiede mit 300 mm Objektiv. Fotos: Tiede

Hersfeld-Rotenburg. Kurz nach 21 Uhr geht im Osten der zur Zeit hellste Stern am nächtlichen Himmel auf. In Wirklichkeit ist es jedoch kein echter Stern (eine Sonne), erläutert der Sternenforscher Kurt Tiede aus Tann, sondern der größte Planet unseres Sonnensystems, der Jupiter. Der Riese aus giftigen Gasen leuchtet nicht selbst, sondern empfängt das Licht von unserem Zentralgestirn, der Sonne. Der Abstand zur Sonne beträgt 780 000 000 Kilometer. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er zwölf Jahre.

Selbst gebautes Fernrohr

Im Jahr 1610 richtete der italienische Astronom Galileo Galilei sein kleines, selbstgebautes Fernröhrchen auf den Jupiter und war überrascht, dass sich dicht neben dem Planeten vier kleine Sternchen befanden, die täglich ihre Position wechselten. Aus seinen Beobachtungen erkannte er, dass es sich hier um Monde des Planeten handelte. Aus diesen und Beobachtungen anderer Himmelskörper, die ihre Position gegenüber den Fixsternen immer veränderten, folgerte er, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Planetensystems sein konnte, sondern nur allein die Sonne. Die Behauptung war zu dieser Zeit ungeheuerlich und rief die Kirche auf den Plan.

Die Inquisition beschuldigte ihn der Gotteslästerei und drohte dem Ketzer mit dem Tode auf dem Scheiterhaufen. In einem Schauprozess schwor Galilei seiner Lehre ab, um sein Leben zu retten. Die Legende berichtet jedoch, dass er beim Verlassen des Gerichtes zu sich selbst den berühmten Satz flüsterte: „Und sie bewegt sich doch.“ Es dauerte 400 Jahre, bis der Vatikan 1982 den Astronomen rehabilitierte.

Der Name des berühmten Astronomen ist aber unsterblich geworden. Man bezeichnet die vier großen Monde des Jupiter als die „Galileischen Monde“.

Mit einem guten Fernglas mit mindestens achtfacher Vergrößerung kann man, so hat Kurt Tiede festgestellt, die Monde erkennen, sie tragen Namen aus der griechischen Mythologie. Auf dem oberen Foto das kurz nach Aufgang des Jupiter entstand, sieht man von links nach rechts: Den Mond Io, den Planeten Jupiter, die Monde Europa, Kallisto und Ganymed.

Ein sehr gutes Bild von den Dimensionen des Sonnensystems kann man sich am Planetenweg entlang des R1 zwischen Friedlos und Mecklar machen. Dort sind Sonne und die Planeten im genauen Maßstab in Größe und Entfernung im Modell dargestellt.

Von Kurt Tiede

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