Gelungene Schüleraufführung von „Die Entführung aus dem Serail“

Junge Kritiker überzeugt

Trat bei der Schülervorstellung von „Die Entführung aus dem Serail“ auch als „Märchenerzähler“ auf: Gunther Emmerlich. Fotos: Teufel

Bad Hersfeld. Entgegen den Klischees muss Oper nicht verstaubt und trocken sein. Bei strahlendem Sonnenschein und einem milden Lüftchen fanden sich am Samstagvormittag zahlreiche Zuschauer zur Schülervorstellung der Mozart-Oper „Die Entführung aus dem Serail“ in der Stiftsruine ein. Die Ruine war zu etwa zwei Dritteln gefüllt mit Kindern, deren Eltern oder Großeltern, Tanten, Onkeln und anderen Interessierten.

Etwas war anders

Auf der Bühne war die gesamte Kulisse aufgebaut, die später auch die Besucher der Abendvorstellungen sehen sollten. Doch eines war anders: Am rechten Bühnenrand stand ein kleiner Schreibtisch mit einem Stuhl. Daneben ein Kleiderständer, an dem ein langes, weiß-goldenes Gewand hing. Dies war der Platz an dem sich Gunther Emmerlich niederließ, der, neben der Rolle des Bassa Selim, auch die des „Märchenerzählers“ übernehmen sollte.

Ziel der Aufführung war es laut Emmerlich, nicht zu albern, aber auch nicht zu didaktisch vorzugehen. Dies gelang dem Team um Regisseur Hugo Wieg. Mit viel Humor und bildhafter Sprache, brachte Erzähler Emmerlich den jüngeren und älteren Besuchern Mozarts Kompositionsweise sowie das Operngenre an sich und im Speziellen näher. Wunderkind Mozart verglich Emmerlich mit einem „Justin Bieber des 18. Jahrhunderts“, auch wenn der Vergleich etwas hinke.

Gemeinsam mit dem Orchester, den Virtuosi Brunenses aus Tschechien unter Leitung von Michael Stolle, stellte er die einzelnen Instrumentengruppen und die musikalischen Mittel, die Mozart für diese Oper verwendete, vor. Gefühle wie Sehnsucht, Fröhlichkeit, Traurigkeit oder Bösartigkeit wurden anhand einiger kurzer Motive vom Orchester klanglich vorgestellt und dann von Emmerlich erklärt. Später sollten diese Motive in den ausgewählten Szenen der Oper, die die Darsteller Florian Voss, Sujin Lee, Jannes Philipp Mönnighoff, Lisa Rothländer und Marcus Weishaar auf der Bühne zum Besten gaben, wieder auftauchen.

Auch der Hersfelder Festspielchor, Mitglieder des Frankfurter und Marburger Konzertchores sowie des Polnischen Bachchores waren an der Kindervorstellung beteiligt. Ebenso die Tänzerinnen der Tanz- und Ballettschule Michèle Meckbach.

Emmerlich erklärte dem Publikum die Vorgeschichte von „Die Entführung aus dem Serail“ und dann ging es mit dem eigentlichen „vertonten Märchen“ los. Vorgeschichte wie auch szenische Zusammenhänge erklärte Emmerlich verständlich und unter Zuhilfenahme lebensnaher Beispiele. Auch die unterschiedlichen Figuren und deren Charakteristika machte er transparent. Gespannt folgte vor allem das junge Publikum seinen Erzählungen und der eine oder andere rutschte bis auf die äußerste Kante seines Sitzes vor.

Auch den gesanglichen Darbietungen – die ausgewählten Stücke wurden allesamt in gekürzten Varianten präsentiert – folgten die Zuhörer gespannt. Abschließend verlieh das Publikum mit Jubel, langanhaltendem Applaus und teilweise stehenden Ovationen seiner Begeisterung Ausdruck.

Begeisterte Kinder

Auch Annette und Armin Ortmann aus Lauterbach waren mit ihren Kindern nach Bad Hersfeld gekommen, um die Vorstellung zu besuchen. Zwar sei es für die siebenjährige Vera und den fünfjährigen Adrian nicht der erste Theaterbesuch gewesen, dafür aber die erste direkte Opernerfahrung. „Wir haben schon einmal eine Oper im Fernsehen gesehen“, berichtete die Siebenjährige. Aber das Live-Erlebnis schien die junge Musikfreundin so begeistert zu haben, dass sie gleich fragte, ob die Familie bald wieder eine Oper besuchen könne.

Von Sabrina Ilona Teufel

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