Thorsten Kellner ist neuer Jugendkoordinator bei der Polizei Hersfeld-Rotenburg

Junge Kriminelle im Blick

Thorsten Kellner ist als Jugendkoordinator bei der Polizei Hersfeld-Rotenburg für die Beobachtung und Koordinierung im Bereich der Jugendkriminalität zuständig. Dass er viele Jahre lang als Polizist „auf der Straße“ unterwegs war, kommt ihm auch bei seinem Schreibtischjob zugute. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Thorsten Kellner hat sie im Blick: jugendliche Straftäter. Ebenso wichtig ist es ihm und seinen Kollegen allerdings, Straftaten von oder unter Kindern und Jugendlichen gleich zu verhindern. Prävention wird bei der Polizei im Kreis groß geschrieben.

Seit vergangenem Herbst ist der 47-jährige Kriminalhauptkommissar aus Bebra neuer Jugendkoordinator bei der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg. „Ich beobachte und koordiniere alle Belange im Bereich der Jugendkriminalität“, erklärt Kellner, der sich noch in der Einarbeitungsphase befindet. „Wir versuchen, behördenübergreifend und polizeiintern an Informationen zur Gefahrenabwehr und zur Strafverfolgung zu kommen und möglichst zeitnah präventiv oder gegebenenfalls auch mittels Intervention dagegenzusteuern.“

Austausch pflegen

Kellner steht in Kontakt zu den heimischen Jugendämtern oder den Staatsanwaltschaften sowie zu übergeordneten Stellen wie dem Landeskriminalamt oder der Einsatzabteilung Prävention Osthessen. „Der Austausch etwa mit den Jugendämtern wird heute viel mehr gepflegt als früher“, sagt Kellner, auch um zu überprüfen, ob die verschiedenen Maßnahmen, um junge Kriminelle von weiteren Straftaten abzuhalten, wirklich greifen. Den Ansatz „erziehen statt bestrafen“ unterstützt Kellner, wenngleich bei so manchem Mehrfachtäter auch eine schnelle Verurteilung Wirkung zeigen könne.

„Als Jugendkoordinator habe ich vor allem einen Schreibtischjob“, sagt Kellner über seine „theoretische Funktion“. Parallel ist der 47-Jährige allerdings auch noch in der Führunggruppe der Polizei tätig, wo er zum Beispiel Einsätze konzipiert.

14 Jahre lang war der Bebraner bei der operativen Einheit zur Bekämpfung der Straßenkriminalität, der sogenannten AG SALZ. Zuvor war er als Polizist in Frankfurt und Melsungen tätig. Sein Wissen aus dem „operativen Geschäft“ kommt ihm nun zugute. Kellner weiß, wie kriminelle Jugendliche „ticken“ und er kennt die „Pappenheimer“.

Warum er von der Straße überhaupt an den Schreibtisch gewechselt hat? „Ich hatte den Wunsch, mal etwas anderes zu machen. Außerdem ist man als Familienvater natürlich auch darauf bedacht, sich in diesem Bereich zu engagieren.“ In seiner Freizeit engagiert sich Kellner ebenfalls für die Jugend. Er ist Fußball-Trainer bei der FSG Bebra.

In Zukunft wird Kellner wie sein Vorgänger Klaus Hocke in den Schulen unterwegs sein, um dort Aufklärungsarbeit zu leisten. Aktuelle Themen im Bereich der Jugendkriminalität sind abseits von Diebstählen, Drogendelikten oder Vandalismus Cybermobbing, Sexting oder ähnliche Phänomene des Internets. „Viele Jugendliche gehen zu sorglos mit dem Medium Internet um und bedenken nicht, dass das Netz nichts vergisst“, warnt der Kriminalhauptkommissar.

Eine positive Nachricht hat Kellner aber auch: Entgegen anderslautenden Prognosen ist in Hersfeld-Rotenburg derzeit mit keiner Zunahme der Jugendkriminalität zu rechnen, in den meisten Fällen handele es sich zudem um „Episoden“. „Das heißt, viele Jugendliche kommen da wieder raus, holen ihren Schulabschluss nach, machen eine Ausbildung und gründen eine Familie“, weiß Kellner.

Von Nadine Maaz

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