Ältere Mediziner finden im Kreis nur noch schwer Nachfolger

Junge Ärzte wollen nicht aufs Land ziehen

Hersfeld-Rotenburg. Der Allgemeinmediziner Thian-Jow Lauw ist Cornbergs einziger Mediziner und er steht vor einem Problem: Er findet für seine Praxis keinen Nachfolger.

Lauw ist im Kreis kein Einzelfall. Das weiß Dr. Martin Ebel, Bezirksvorsitzender des Hausärzte-Verbands und Vorsitzender der Hausarztakademie Hersfeld-Rotenburg. Wer noch betroffen ist, will Ebel aber nicht sagen – aus Angst vor Rufschädigung.

„Die Ärzte-Alterspyramide steht im Landkreis auf dem Kopf: Schon 2013 waren 68 von insgesamt 90 Ärzten über 50 Jahre alt“, erklärt Ebel. Und es sei nicht besser geworden. Einen Grund sieht er darin, dass junge Ärzte sich nicht auf dem Land niederlassen wollen. Zum einen fürchten sie die Verschuldung durch einen Praxiskauf, zum anderen wollen sie auf das kulturelle Leben in Großstädten nicht verzichten. Das mache es schwerer, Nachfolger zu finden. Genau diese belastende Situation erlebt derzeit der 68 Jahre alte Lauw. Seit drei Jahren sucht er vergeblich nach einem Nachfolger.

Sollte Lauw niemanden finden, müssten seine Patienten künftig weitere Wege zwecks Behandlung in Kauf nehmen. Für die ländliche Region wäre so eine Situation verheerend. Gibt es im Ort keinen Arzt, werde es auch bald keine Apotheke mehr geben. Das führe zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung und damit zu einer Abwertung des Ortes. Das Fehlen eines Mediziners nehme dem dörflichen Leben für Zuziehende den Reiz und werde immer häufiger zum Ansiedlungshindernis, weiß Ebel. Um das zu verhindern, haben sich jetzt Lauw und die Cornberger zusammengetan und eine Petition gestartet. 300 Unterschriften stehen schon darauf. Diejenigen, die unterschrieben haben, erklären sich einverstanden, einem neuen Arzt die Treue zu halten. Der feste Patientenstamm soll möglichen Nachfolgern als Anreiz dienen. (fis)

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