Schüler der Gesamtschule Geistal besuchen einmal wöchentlich Altenzentrum Hospital

Jung und Alt gemeinsam

Junge besuchen Alte: Die Schüler Marcel Müller, Lisa Möller, Janike Schmitz und Niklas Büchner (von links) werden sich nun häufiger mit Georg Fricke (Dritter von links) und Elfriede Schaffert im Altenzentrum treffen. Foto: Stehr

Bad Hersfeld. Die Frage von Ronald Jan Loot, dem Leiter des Altenzentrums Hospital, ließ die Schüler nachdenklich werden. „Ab wann ist man eigentlich alt?“, fragte Loot. Die Schüler der Gesamtschule Geistal tuschelten, dann meldeten sich einige. „Vielleicht so ab 50“, sagte ein Schüler vorsichtig. Loot antworte mit einem Lächeln im Gesicht: „Ja, ich bin 55 und wahrscheinlich für euch schon uralt.“

Dann erklärte der Einrichtungsleiter den interessierten Mädchen und Jungen, dass die älteste Bewohnerin des Altenzentrums 103 Jahre alt sei. Ein Raunen ging durch die Reihen der Schüler. So alt?

Einmal in der Woche, jeweils dienstags, werden die etwa 15 Jahre alten Gesamtschüler nun für ein bis zwei Stunden im Altenzentrum sein und die Bewohner besuchen. Sie werden mit ihnen spazieren gehen, spielen, backen oder sich einfach nur gegenseitig Geschichten erzählen.

Gefördert wird die Aktion, die sich „Frühstarter und Spätzünder – gemeinsam hundert“ nennt, vom Hessischen Sozialministerium sowie vom Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Janike Schmitz freut sich bereits auf die Nachmittage. „Ich möchte den alten Menschen helfen und ihren den Tag verschönern. Außerdem sind sie dann nicht allein“, sagt die 15-Jährige.

Schon im Vorfeld des ersten Besuchs informierten sich die Schüler über Hygiene, bald werden sie in einem Kurs auch noch etwas über den Umgang mit medizinischen Geräten wie Rollatoren und Rollstühlen erfahren. „Ihr seid wichtig, aber die Bewohner stehen im Mittelpunkt“, machte Loot klar. Er konfrontierte den Nachwuchs auch mit den traurigen Themen eines Altenzentrums. „Es kann sein, dass einige Bewohner, die ihr liebgewonnen habt, auf einmal nicht mehr laufen können. Ein anderer kann vielleicht nur noch im Bett liegen. Einige werden in dieser Zeit sogar sterben“, sagte Loot. „Doch das ist ganz normal. Das gehört dazu.“

Die Schüler hörten sich alles aufmerksam an. Vielleicht geben sie ja, wenn ihr Schuljahr vorbei ist und die Besuche im Altenzentrum beendet sind, auf die Frage „Ab wann ist man eigentlich alt?“ eine ganz andere Antwort als bei ihrem ersten Besuch.

Von Claudia Stehr

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