16-jährige Schülerin aus Schenklengsfeld geht mit Bundestags-Stipendium in die USA

Julia will Football spielen

Sie halten die Flagge der USA hoch: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth und die 16-jährige Julia Reymond, die mit einem Bundestagsstipendium für ein Jahr in die USA gehen wird, um dort auch als Botschafterin für ihre Heimat zu wirken. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld/Boston. Die 16-jährige Julia Reymond hat gleich doppelt Glück gehabt. Sie hat eines von 285 begehrten Stipendien des Deutschen Bundestages für einen Schüleraustausch mit den USA errungen, und sie fährt zudem in eine der schönsten Ecken Amerikas, nach Duxbury, Massachusetts, einem 14 000 Einwohner zählenden Vorort von Boston. Er liegt direkt an der Küste Neu-Englands. Weiße Holzhäuser im Kolonialstil säumen dort die Straßen, und im Herbst, dem „Indian Summer“, erglühen dort die Wälder in den schönsten Farben.

Die Qual der Wahl

„Normalerweise kommen die Austauschschüler eher in den etwas verschnarchten Mittelwesten“, erklärt der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth bei der offiziellen Verabschiedung von Julia – und er ist wohl selbst etwas neidisch.

„Ich wollte unbedingt ein Schuljahr in den USA verbringen, und dann habe ich in der Zeitung von dem Austauschprogramm gelesen“, erzählt Julia. Es folgte ein umfängliches Bewerbungsverfahren, das der American Field Service (AFS) begleitet hat. Michael Roth hatte schließlich die „Qual der Wahl“ und musste zwischen sieben Kandidaten seines Wahlkreise entscheiden. Nachdem er mit allen Gespräche geführt hatte fiel die Wahl schließlich auf Julia.

„Im letzten Jahr war ein junger Mann aus Werra-Meißner in den USA, deshalb habe ich jetzt eine junge Frau aus Hersfeld-Rotenburg ausgesucht“, erklärt Roth, der sich bei der Auswahl um größte Ausgewogenheit bemüht.

Julia, die die 10. Klasse an der Gesamtschule in Schenklengsfeld absolviert hat, hat inzwischen schon über die Internetplattform Facebook Kontakt zu ihrer Gastfamilie aufgenommen. Sie wohnt bei einem verwitweten, pensionierten Army-Offizier mit drei Kindern, zwei Jungs im Alter von 11 und 19 Jahren und ihrer Austauchpartnerin, der 15-jährigen Sarah. Die Familie lebt in einem hellblauen Holzhaus.

In den USA ist es schwer, geeignete Gastfamilien zu finden, berichtet Michael Roth, der selbst oft in den USA gewesen ist und das Land kennt und mag. Das Bundestagsaustauschprogramm sei sehr exklusiv und einzigartig. Die Schüler werden gut betreut und zum Abschluss des Austauschjahres reisen alle nach Washington DC, um dort das Weiße Haus und den Kongress zu besuchen. Obwohl Politik nach eigenem Bekunden nicht zu Julias Hauptinteressen gehört, hat sie sich trotzdem schon über die aktuelle Lage in den USA informiert und dabei herausgefunden, dass man im US-Staat New Jersey „keine Steuern auf Klamotten“ zahlen muss – was wohl das Ziel des ersten Shopping-Trips vorgeben wird.

Auf sich allein gestellt

„Mich reizt aber vor allem die Erfahrung in einen neue Schule zu gehen, niemand zu kennen und auf mich allein gestellt zu sein“. Nur einmal pro Woche beabsichtigt sie, sich via E-Mail zuhause zu melden. Angst vor Heimweh hat sie nicht. Sie bedauert nur ein wenig, dass sie keine Ahle Worscht in die USA mitnehmen darf. Dafür hat sie für ihre Gastfamilie Kinderschokolade, einen Bierkrug, WM-T-Shirts und eine Bayern-München Kappe im Gepäck – typische deutsche Souveniers.

Sie selbst aber will in dem nächsten Monaten typisch amerikanisch leben – und dazu gehört in den USA der Sport. Sie plant in ihrer High-School ins Mädchen-Baseballteam zu gehen. Julia mag es handfest. „Am liebsten würde ich auch Football spielen“, sagt sie.

Von Kai A. Struthoff

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