Umgang mit Meldungen ist genau geregelt

Jugendamt reagiert im Ernstfall sofort

Hersfeld-Rotenburg. 120 bis 150 Meldungen über Misshandlungen, Vernachlässigung oder Missbrauch von Kindern gingen pro Jahr beim Jugendamt ein, berichtete Fachdienstleiterin Anette Kranz. Wie damit umzugehen ist, ist innerhalb der Behörde genau geregelt, damit so ein Hinweis nicht irgendwo untergeht. Alle Meldungen würden genau überprüft, auch die anonymen, erläuterte Kranz. Es komme durchaus vor, dass nur ein Nachbarschaftsstreit oder ein familieninterner Konflikt hinter so einem anonymen Anruf stecke.

„Wenn die Situation akut bedrohlich ist oder die Lage nicht eingeschätzt werden kann, müssen sofort zwei Mitarbeiter rausfahren“, versicherte Kranz. Das gelte umso mehr, wenn Kinder unter vier Jahren betroffen seien.

Destabilisierung in Familie

Einer Misshandlung gehe in der Regel ein langer Prozess der Destabilisierung und Eskalation in der Familie voraus, hat Anette Kranz festgestellt. Je nach Situation der Familie habe das Jugendamt verschiedene Handlungsmöglichkeiten.

In der Regel werden zunächst Hilfen zur Erziehung eingesetzt, Fachkräfte, die die Familie regelmäßig besuchen und unterstützen. Außerdem gibt es Tagesgruppen für Kinder und Jugendliche, mit denen die Eltern nicht mehr zurechtkommen. In besonders schwierigen Fällen ist auch die stationäre Unterbringung von Kindern notwendig.

„Die meisten Eltern sind erstaunlich kooperativ“, stellte Kranz fest. Bei einer akuten Gefährdung durch die Eltern sei es manchmal aber auch nötig, dass das Kind durch das Jugendamt in Obhut genommen und erst einmal in einer Pflegefamilie untergebracht werde, bis das Familiengericht eine Entscheidung treffe.

Anette Kranz machte aber auch deutlich, dass das Jugendamt am häufigsten mit Fällen von Vernachlässigung zu tun habe. Erst danach kämen sexuelle, psychische und körperliche Gewalt.

Damit die Situation in den Familien möglichst gar nicht erst eskaliert, wurde, so berichtete Kranz, im Kreis ein Netzwerk für frühe Hilfen aufgebaut. Unter anderem gibt es sechs Familienhebammen, die Familien mit Konfliktpotenzial besuchen und bei der Pflege und Erziehung der Kinder unterstützen.

Landet ein familiäres Problem, bei dem es um die Frage des Kindeswohls geht, vor dem Familiengericht, so ist man dort gehalten, diese Fälle beschleunigt zu bearbeiten, berichtete der Leiter des Amtsgerichts Bad Hersfeld, Hermann Eimer. Innerhalb eines Monats gebe es in der Regel den ersten Verhandlungstermin. 30 bis 50 Entscheidungen über den Aufenthalt von gefährdeten Kindern müsse das Familiengericht pro Jahr treffen, sagte er. (zac)

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