Neues Vormundschaftsrecht erfordert intensivere Betreuung

Jugendamt muss neue Mitarbeiter einstellen

Hersfeld-Rotenburg. Es war ein tragischer Fall: Der kleine Kevin, Mündel eines Jugendamtes, war 2006 tot im Kühlschrank seines Ziehvaters gefunden worden. Sein amtlicher Vormund hatte 240 Kinder zu betreuen und keine Zeit für persönliche Kontakte zu dem Kind gehabt. Mit einem neuen Vormundschaftsgesetz soll verhindert werden, dass sich ein solcher Fall wiederholt.

Ein solches Missverhältnis zwischen Vormund und Zahl der zu betreuenden Kinder wie im Fall Kevin gibt es im Kreis Hersfeld-Rotenburg nicht. Doch auch hier zwingt das neue Gesetz zum Handeln, erklärte Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz. Kreisweit gebe es aktuell 80 Fälle von Amtsvormundschaften, Tendenz leicht steigend. Die werden von drei Vollzeitkräften betreut. Die Mitarbeiter haben darüber hinaus noch „Beistandschaften“ zu leisten. Das heißt, sie sorgen dafür, dass Kinder aus nicht ehelichen Beziehungen regelmäßig Unterhaltszahlungen erhalten, ergänzt Klaus-Dieter Raub, der Leiter des Jugendamtes. Derzeit sind das 950 Fälle im Kreis.

Von den drei Mitarbeitern ist nur einer Sozialpädagoge. Das wird sich ändern. Denn ein Vormund muss laut Gesetz einmal im Monat persönlichen Kontakt zu dem Kind haben, muss es in Augenschein nehmen und sich über sein persönliches Wohlergehen in seiner üblichen Umgebung informieren. Ein Bericht darüber geht auch an das Familiengericht. Diese Begutachtung, so meint Raub, müsse ein Sozialpädagoge vornehmen.

Im Jugendamt versuche man derzeit, durch Umstrukturierungen Raum für die Betreuung zu schaffen, reine Verwaltungsarbeiten stärker zu verlagern – nicht zuletzt aus Kostengründen, wie Elke Künholz erklärte. Doch um die Einstellung von Sozial-Pädagogen komme man nicht herum. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Kosten auf untere Ebenen durchgereicht werden, kritisiert sie.  zumtage

Von Silke Schäfer-Marg

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