Thora-Fachmann hielt Vortrag an der Schule

Jüdischer Gelehrter an der MSO

Der jüdische Gelehrte Bruno Landthaler (rechts) und Religionslehrer Ullrich Brand(links) vor der Schülerschaft der MSO. Foto: Krutzinna

Bad Hersfeld. Die Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld hatte einen Thora-Gelehrten zu Gast: Der Theologe Bruno Landthaler aus Frankfurt beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Übertragung des hebräischen Urtextes der Thora in ein Deutsch für Kinder und Jugendliche – gute Voraussetzungen, um vor einem großen Schülerauditorium aus der Einführungsphase der Modellschule zu Aspekten des jüdischen Glaubens Rede und Antwort zu stehen.

Landthaler, der auf Einladung von Herrn Schnitzlein vom Arbeitskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit nach Bad Hersfeld gekommen war, hatte Tags zuvor im Evangelischen Altenzentrum, Stadtmitte, zum Thema „Vergebung im Judentum“ vor einem öffentlichen Publikum referiert.

Gott leitet, hält und trägt

Für die Schülerschaft ging er auf das etwas allgemeiner gehaltene Thema „Jüdisches Gottesverständnis“ ein: Der Gott des Alten Testaments sei zunächst der Schöpfer Himmels und der Erden und damit auch des Menschen. Die Apfelgeschichte aus der Genesis habe die tiefere Bedeutung, dass der Mensch nicht als „Marionette Gottes“ erschaffen worden sei, sondern als freies Gegenüber Gottes, mit der Möglichkeit, sich sogar gegen seinen eigenen Schöpfer entscheiden zu können. Die zentrale Thora-Botschaft sei aber der Gott, der den Menschen trotz aller Unzulänglichkeiten durch seine Geschichte hindurch leitet, hält und trägt. Dieser Gott sei kein innerweltlicher, stofflicher Gott, der sichtbar oder gar anfassbar sei, wie das bei Götzenvorstellungen der Fall sei, sondern der transzendente Gott, der der Welt gegenübersteht und allmächtig ist. Gott sei nicht Bild, sondern Sprache und Verkündigung.

In diesem Zusammenhang ging Landthaler auch auf das Bilderverbot des Alten Testaments ein.

Fragerunde der Schüler

Nach seinem mit großem Beifall bedachten Vortrag stand der jüdische Gelehrte für weitere Fragen der Schüler zur Verfügung, in denen es unter anderem um atheistische Positionen und um das Verhältnis zwischen Judentum und Christentum ging. Religionslehrer Brand dankte dem Referenten im Namen der Schülerschaft und versprach, die vielfältigen Anregungen in den Unterricht zu übernehmen. (red)

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