250 Dinge, die wir an der Region mögen (209): Die Mikwe in Rotenburg

Das jüdische Ritualbad

Dr. Heinrich Nuhn, der die Geschichte jüdischer Familien in Rotenburg und Umgebung erforscht und das Mikwe-Museum maßgeblich aufgebaut hat und betreut, steht vor den Überresten des jüdischen Ritualbades, das durch Ausgrabungen zutage gefördert wurde. Foto: Meyer

Rotenburg. Das kleine Museum erinnert an eine grausame Zeit und auch daran, dass eine lebendige jüdische Gemeinde in Rotenburg praktisch ausgelöscht wurde. Aber es ist auch ein Ort der Versöhnung. Das Rotenburger Mikwe-Museum dokumentiert die Geschichte jüdischer Familien in der Region – und es beherbergt ein besonderes historisches Zeugnis.

Die Mikwe ist ein jüdisches Ritualbad, das der geistig-spirituellen Reinigung dient. Ohne sie erlangt eine Gemeinschaft nicht den Status einer Gemeinde. In Rotenburg existierte eine solche Gemeinde, und ihr Ritualbad befand sich in einem kleinen, im Jahr 1832 gebauten Haus an der Gasse am Kies. Bis 1938 wurde es genutzt, dann verschwand das Bad unter einer Decke aus Beton.

Geschichte lebt auf

Die Mikwe drohte in Vergessenheit zu geraten. Erst in den 1990er Jahren befasste sich der Rotenburger Lehrer Dr. Heinrich Nuhn damit. Nach dem Tod der letzten Bewohnerin erwarb die Stadt das Gebäude – die Ausgrabungen konnten beginnen. Dabei machte man eine unter Forschern europaweit für Interesse sorgende Entdeckung: Im Fundament befinden sich die Überreste eines zweiten, noch viel älteren Ritualbades aus dem 17. Jahrhundert.

Ab und zu kommen jüdische Gäste aus aller Welt nach Rotenburg, um die Heimat ihrer Vorfahren zu sehen. Dr. Heinrich Nuhn führt sie regelmäßig auch in das Mikwe-Museum – so auch Julian Brandes, dessen Vorfahren in Rotenburg ein Geschäft für Textilien hatten und dessen Vater Kurt Ende der 1930er Jahre die Flucht nach Südafrika gelungen war. Dem Museum schenkte Brandes einen Silberlöffel. Er ist Teil eines Besteckservices, das seine Großmutter bei den Novemberpogromen 1938 vor den Randalierern im Ofen versteckt hatte. Julian Brandes war beeindruckt vom Mikwe-Museum: „Es ist ein unglaublicher Fortschritt der Leute hier, wie sie die Vergangenheit dokumentieren.“

Von Achim Meyer

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