Hersfelder Kantorei führte Händels „Messias“ in der Stadtkirche auf

Jubelnde Chöre

Begleitet vom Mitteldeutschen Kammerorchester präsentierte die Hersfelder Kantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Martin Bartsch Händels „Messias“ in der Stadtkirche. Foto:  H. Lapp

Bad Hersfeld. Der Sonntag „Laetare“ (Freuet Euch!) für die Aufführung des „Messias“ von Georg Friedrich Händel durch die Hersfelder Kantorei war gut gewählt. Die Freude, die dem Chor, den Solisten, dem Mitteldeutschen Kammerorchester und Kirchenmusikdirektor Martin Bartsch deutlich anzumerken war, übertrug sich auf die zahlreichen Kirchenbesucher, die sich am Ende des Konzerts stehend und lang applaudierend für eine rundum gelungene Aufführung bedankten.

Deutsche Textfassung

Martin Bartsch hatte sich für die von Mozart bearbeitete Fassung entschieden, und vermied damit klug den Konflikt, die gut 50-köpfige Kantorei in die heute übliche historische Aufführungspraxis und Artikulation zu zwingen. Außerdem konnte er so auf eine authentische deutsche Textfassung zurückgreifen. Jeder Ton sei wohlüberlegt. „Wenn zwei so große Komponisten zusammenkommen, dann kommt auch etwas Großartiges heraus.“

Mozart hatte sich zehn Jahre vor seinem Tod intensiv mit Barockmusik, insbesondere mit Werken von Händel, auseinandergesetzt. Baron Gottfried van Swieten, sein Förderer und Freund, bat 1789 den Komponisten, den „Messias“ aufzuführen und es entsprach durchaus der zeitgenössischen Praxis, das Werk für die Gegebenheiten einzurichten und die Musik den Hörgewohnheiten anzupassen. So fügte Mozart der Originalpartitur Flöten, Klarinetten, Fagotte und Hörner hinzu. Die zum Chor parallel geführten Posaunen reichern den Klang an, verstärken und präzisieren ihn.

Martin Bartsch nutzte diese klangfarblichen Möglichkeiten und gestaltete insbesondere die jubelnden Chöre („Sein Joch ist sanft“, „Halleluja“, „Amen“) in straffen Tempi und differenzierter Dynamik. Die Hersfelder Kantorei dankte ihm seine Interpretation mit einem vollen, intonationssicheren Chorklang.

Wendiger Tenor

Dieser hohen Qualität entsprachen auch die Solisten. Daniel Jenz begeisterte besonders mit seiner schlanken und wendigen Tenorstimme in der Arie „Alle Tale macht hoch und erhaben“ und im Duett mit Diana Schmid „O Tod, wo ist dein Pfeil“. Die Mezzosopranistin hatte in den tiefen Lagen mit dem großen Orchester zu kämpfen, ebenso wie Ernst Volker Schwarz in seiner großen Arie „Warum entbrennen die Heiden“. Beide fügten sich aber perfekt in ein gut harmonisierendes und ausgewogenes Solistenquartett ein.

Annegret Seiler hatte hier sicherlich die dankbarste Aufgabe und gestaltete ihren Sopranpart insbesondere in der Arie „Er weidet seine Herde“ wunderbar dynamisch mit kristallklarer Stimme, dezent und sehr aufmerksam vom Orchester begleitet. Das „Mitteldeutsche Kammerorchester“ erwies sich einmal mehr als versiertes Begleitorchester, das den Intentionen des Dirigenten flexibel folgte und die mozartische Bearbeitung stilsicher interpretierte.

So erlebten die Zuhörer an einem milden Vorfrühlingsabend quasi im zweistündigen musikalischen Zeitraffer Musik mit Ewigkeitscharakter: Jesu Geburt, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt als Ausdruck der Hoffnung auf das ewige Leben. „Amen, das ist: Es werde wahr!“ (Luther)

Von Helgo Hahn

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